Effekte der Paranuss bei Dialyse-Patienten 12 Monate nach der Intervention

Bei dialysepflichtigen Patienten haben die Nieren die Fähigkeit verloren, verschiedene Blutinhaltsstoffe mit dem Urin auszuscheiden und/oder zu metabolisieren. Die Akkumulation dieser Giftstoffe im Körper kann u.a. zu Anämie, Immundysfunktion und Bluthochdruck führen. Bei der Hämodialyse (einem Blutreinigungsverfahren) wird das Blut außerhalb des Körpers von den Giftstoffen, wozu u.a. die harnpflichtigen Substanzen (Kreatinin, Harnstoff, Harnsäure und Ammoniak), Phosphor, Parathormon und Leptin gehören, gereinigt.

Hierbei gehen auch nicht giftige Stoffe, wie zum Beispiel Vitamine verloren, welche dem Körper anschließend wieder zugeführt werden müssen. Bei Dialyse-Patienten treten häufig arteriosklerotischen Gefäßveränderungen auf, welche die hohe kardiovaskuläre Mortalität dieser Patienten bedingen(1). Neben dem Alter, Rauchen und Diabetes, zählt auch oxidativer Stress zu den Risikofaktoren und tritt gerade bei Patienten mit Niereninsuffizienz vermehrt auf. Ein Faktor, welcher zur Reduktion der antioxidativen Kapazität beiträgt, ist das Auftreten eines Selenmangels, welcher für Dialyse-Patienten typisch ist(2,5).

Selen ist Bestandteil zahlreicher Enzyme und Proteine, welche wichtige Funktionen u.a. bei antioxidativen und immunologischen Prozessen und im Schilddrüsenhormonstoffwechsel übernehmen. Eines dieser Enzymfamilien sind die selenhaltigen Glutathionperoxidasen (GPx). Diese Enzyme übernehmen eine wichtige antioxidative Rolle, da sie die Endothelzellen und andere zelluläre und extrazelluläre Komponenten vor oxidativem Stress schützen.

Eine Gruppe von Wissenschaftlern aus Brasilien untersuchte die Effektivität von Paranüssen um den Selen-Spiegel bei Hämodialyse-Patienten zu verbessern(3). Im Jahr 2010 veröffentlichten Stockler-Pinto und Kollegen die Ergebnisse des ersten Teils ihrer Studie. An der Studie nahmen 81 Patienten teil, welche dreimal in der Woche zu einer Hämodialyse gingen. Diese Patienten sind besonders prädestiniert für einen Selenmangel, was durch die Selen-Plasmakonzentrationen zu Beginn der Studie bestätigt wurde (siehe Tabelle).

Es zeigte sich, dass der Verzehr von nur einer Paranuss am Tag über einen Zeitraum von drei Monaten zum einen zu einer Verbesserung des Selen-Status und zum anderen zu einer erhöhten GPx-Aktivität führt. Die Paranuss ist das Lebensmittel mit dem höchsten natürlichen Selengehalt. In dieser Studie wog eine Paranuss ungefähr 5g und hatte einen Selengehalt von ca. 290,5 μg.

Im Anschluss an diese Studie gingen die Wissenschaftler um Stockler-Pinto der Frage nach, inwieweit die Effekte aus der ersten Studie zwölf Monate nach der 3-monatigen Intervention, noch anhalten(4). Untersucht wurde bei 21 der Hämodialyse-Patienten, welche an der Paranuss-Intervention teilgenommen hatten, der Selen-Gehalt 12 Monate nach der Intervention. Die Ergebnisse zeigten, dass diese Patienten zu Beginn der ersten Studie (vor der Paranuss-Intervention) einen deutlichen Selenmangel aufwiesen. Durch den Verzehr von einer Paranuss am Tag über drei Monate, konnte ein Selen-Anstieg im Blutplasma verzeichnet werden. Auch 12 Monate nach Ende der Intervention waren die Selen-Spiegel im Plasma zwar gesunken, aber noch höher als vor der Intervention.

Zeitpunkt Plasma Selen-Konzentration (μg/L) Mittelwert ± Standardabweichung
Vor der 3-monatigen Paranuss-Intervention 17,3 ± 19,9
Nach der 3-monatigen Paranuss-Intervention 106,8 ± 50,3
12 Monate nach der Intervention 31,9 ± 14,8
Plasma-Selengehalt Normbereich(6) 50 - 120

Die Selen-Supplementierung durch Paranüsse, bekannt für ihren hohen Selengehalt, zeigt auch noch nach zwölf Monaten bei dialysepflichtigen Patienten Effekte. So stellen Paranüsse eine natürliche Möglichkeit dar, den Selen-Status im Plasma zu verbessern, ohne auf die Verwendung von Supplementen zurückgreifen zu müssen.

Literaturübersicht
  1. Himmelfarb J, Stenvinkel P, Ikizler TA, Hakim RM. (2002) „The elephant in uremia: oxidant stress as a unifying concept of cardiovascular disease in uremia.“ Kidney Int.; 62(5): 1524-38.
  2. Rucker D, Thadhani R, Tonelli M. (2010) Trace element status in hemodialysis patients. Semin Dial.;23(4):389-95
  3. Stockler-Pinto MB, Mafra D, Farage NE, Boaventura GT, Cozzolino SM. (2010) Effect of Brazil nut supplementation on the blood levels of selenium and glutathione peroxidase in hemodialysis patients. Nutrition; 26 (11-12): 1065-9
  4. Stockier-Pinto M, Lobo J, Moraes C, Leal V, Farage N, Rocha A, Boaventura G, Cozzolino S, Malm O, Mafra D (2012) Effect of Brazil Nut Supplementation on Plasma Levels of Selenium in Hemodialysis Patients: 12 Months of Follow-up. J Ren Nutr. 22 (4): 434-9
  5. Tonelli M, Wiebe N, Hemmelgam B, Klarenbach S, Field C, Manns B, Thadhani R, Gill J; Alberta Kidney Disease Network (2009) „Trace elements in hemodialysis patients: a systematic review and meta-analysis.“ BMC Medicine; 7 (25), 1-12
  6. Umweltbundesamt (2002) „Selen und Human-Biomonitoring. Stellungnahme der Kommission „Human-Biomonitoring“ des Umweltbundesamtes“ Springer-Verlag; Bundesgesundheitsbl-Gesundheitsforsch-Gesundheitsschutz; 45: 190-195.