Risikoreduktion einer Erdnussallergie durch frühen Konsum in der Kindheit

Nahrungsmittelallergien, z. B. gegen Erdnussallergene, entwickeln sich häufig bereits im Kindesalter. Eine Erdnussallergie bleibt in den meisten Fällen ein Leben lang bestehen und ist für Betroffene mit Einschränkungen in der Lebensweise verbunden, da Spuren von Erdnüssen sowohl bei vielen industriell hergestellten Lebensmitteln als auch im Essen von Restaurants enthalten sein können. Je nach Schweregrad der Allergie reichen bereits geringe Mengen aus, um allergische Symptome (z. B. Schnupfen, Juckreiz, Bauchkrämpfe) oder gar eine schwerwiegende anaphylaktische Reaktion (Herz-Kreislaufprobleme, Atembeschwerden) hervorzurufen, die im schlimmsten Fall unbehandelt zum Tod führen kann [1,2]. Daher sind insbesondere für allergiegefährdeten Kinder, d. h. Kinder, die bereits an allergischen Beschwerden (z. B. Neurodermitis, Asthma) leiden oder deren Eltern Allergiker sind, präventive Maßnahmen zur Vermeidung einer Erdnussallergie von Bedeutung.

Dass das Risiko einer Erdnussallergie bereits in früher Kindheit beeinflusst werden kann, wurde in einer bislang einmaligen Studie um George du Toit gezeigt. So fand das Forscherteam der LEAP-Studie („Learning Early about Peanut Allergy“) heraus, dass das Risiko, eine Erdnussallergie bis zum fünften Lebensjahr zu entwickeln, um rund 70-86 % reduziert werden kann, wenn Kleinkinder regelmäßig geringe Erdnussmengen essen (3). An dieser Studie nahmen insgesamt 530 Kinder im Alter von vier bis elf Monaten teil, die bereits an Hautekzemen oder einer Ei-Allergie litten. Zu Beginn der Studie wurde bei diesen Kindern die Empfindlichkeit gegenüber Erdnussallergenen durch einen Hauttest geprüft. Im Anschluss wurden die Kinder in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe sollte bis zum fünften Lebensjahr den Verzehr von Erdnüssen strikt meiden (Karenzgruppe), während die Kinder der anderen Gruppe bis zum fünften Lebensjahr dreimal pro Woche je 2 g Erdnüsse essen sollten. Es zeigte sich, dass 13,7% der Kinder aus der Karenzgruppe im Vorschulalter an einer Erdnussallergie litten, wohingegen nur 1,9 % der Kinder betroffen waren, die von klein auf regelmäßig Erdnüsse verzehrten. Auch bei den Kindern, die bereits zu Beginn der Studie beim Hauttest empfindlich auf Erdnüsse reagierten, wirkte sich der regelmäßige Konsum positiv auf das Allergierisiko aus. Hatten bei dieser Risikogruppe 35,3 % der Kinder aus der Karenzgruppe im Vorschulalter eine Erdnussallergie entwickelt, so waren nur 10,6 % der Kinder betroffen, die regelmäßig Erdnüsse verzehrten.

Die Erkenntnisse dieser Studie sind bislang einzigartig und eröffnen neue Perspektiven im Bereich der Prävention von Nahrungsmittelallergien. Einerseits, dass ein regelmäßiger Verzehr von Erdnussallergenen möglicherweise zur Entwicklung einer oralen Toleranz dieser Allergene beitragen kann. Andererseits, dass eine strikte Vermeidung von Erdnussallergenen im frühkindlichen Alter das Allergierisiko nicht senkt, sondern sogar steigern kann. Für die Praxis können aus diesen Studienergebnissen jedoch noch keine Empfehlungen für Eltern abgeleitet werden, da grundlegende Fragestellungen in weiterführenden Studien erst untersucht werden müssen. Beispielsweise, ob die Toleranz gegenüber Erdnussallergenen auch in späteren Lebensjahren bestehen bleibt und ob auch Kinder mit sehr hohem Allergierisiko, die in dieser Studie ausgeschlossen wurden, durch diese Methode eine Toleranz entwickeln können. Dennoch sind die bisherigen Daten vielversprechend und lassen auf ein zukünftig tieferes Wissen um Strategien zur Vermeidung von Erdnussallergien in der Kindheit hoffen.

Literaturübersicht
  1. Sheikh SZ, Burks W. (2013) Recent advances in the diagnosis and therapy of peanut allergy. Expert Rev. Clin. Immunol. 9(6), 551–560
  2. Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V. (2016) Erdnuss-Allergie. Online: http://www.daab.de/ernaehrung/erdnuss-allergie (zuletzt aufgerufen: 17.11.2016)
  3. Du Toit G, Roberts G, Sayre PH, et al. (2015) Randomized Trial of Peanut Consumption in Infants at Risk for Peanut Allergy. N Engl J Med. 372(9):803-13