"Nuss-Cleaner" für die Blutgefäße

Mandeln schützen vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen - selbst wenn der Patient bereits unter Fettstoffwechselstörungen leidet

Seit über 4000 Jahren wird der Mandelbaum bereits kultiviert. Seine Früchte kennt praktisch jeder, und sei es auch nur, dass er sie in Form von Marzipan genascht hat. Was jedoch nur wenige wissen: Mandeln schützen vor schwerwiegenden Erkrankungen - und das selbst dann noch, wenn diese Erkrankungen bereits ins Rollen gekommen sind.

Einen Beleg für die präventiven Effekte bei Diabetes liefert die Studie eines spanisch-amerikanischen Forscherteams(1). Hier verabreichte man 65 übergewichtigen Probanden 24 Wochen lang eine Diät aus komplexen Kohlehydraten oder aber eine Diät mit 84 Gramm Mandeln pro Tag. In der Kohlehydratgruppe sank daraufhin der Insulin-Level um 32, in der Mandelgruppe um 54 Prozent. Ein beträchtlicher Unterschied, der gleichsam bedeutet, dass Mandeln offenbar übergewichtige Menschen vor Diabetes schützen. Denn die Körperzellen reagieren umso sensibler auf Insulin und ziehen dadurch umso bereitwilliger Zucker aus dem Blut, je geringere Mengen des Zuckertransporthormons kursieren. Mit anderen Worten: Wer Mandeln isst, spart seinem Körper Insulinreserven, die er braucht, um opulente Speisen mit viel Fett und Zucker bewältigen zu können.

In einer anderen Untersuchung(2) ließ der Verzehr von Mandeln den Wert an Plasmathiol ansteigen. Diese Substanz gehört zu den körpereigenen Waffen gegen oxidativen Stress, je mehr also davon im Blut kursiert, umso besser werden Zellwände, aber auch empfindliche Stoffe wie etwa Cholesterin und Fettsäuren vor den Attacken der berüchtigten freien Radikale geschützt. Dieser Aspekt spielt eine wichtige Rolle in der Vorbeuge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen - denn die beginnen meistens mit oxidativen Veränderungen am Cholesterin, das sich an den Blutgefäßwänden angesammelt hat.

Eine aktuelle Untersuchung aus dem Iran(3) zeigt nun, dass Mandeln auch noch vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen, wenn sich bereits eine Fettstoffwechselstörung ausgebildet hat. 30 Männern mit Hyperlipidämie erhielten vier Wochen lang 60 Gramm Mandeln pro Tag, im Anschluss daran zeigte sich bei den Probanden nicht nur eine deutliche Senkung der Blutfettwerte, sondern auch der oxidative Stress ging deutlich zurück. Mit anderen Worten: Die Fett-Ablagerungen an den Blutgefäßen der Hyperlipidämie-Patienten verlieren durch die Mandeln signifikant an Dramatik. Hyperlipidämie lässt sich also bis zu einem bestimmten Grad durch 60 Gramm Mandeln täglich behandeln - "und es sollte ja kein Problem sein", so Studienleiter Beman Jalali-Khanabadi, "diese Dosis im Speiseplan einzubauen".

Bleibt die Frage, welche Mandel-Wirkstoffe hauptverantwortlich für diesen Effekt sind. Jalali-Khanabadi setzt hier vor allem auf die Polyphenole, von denen Mandeln nicht nur viele, sondern auch genau die richtigen - wie etwa die aus Grüntee bekannten - Catechine enthalten. Deren antioxidative und lipidsenkende Kraft ist schon länger bekannt.

Möglich wäre aber auch der Einfluss von Vitamin E. Als spezielles Antioxidans für Cholesterin und andere Fettverbindungen besitzt es enormen Möglichkeiten bei Hyperlipidämie, und 100 Gramm Mandeln beherbergen von ihm immerhin 26 Milligramm.

Das ist deutlich mehr, als man etwa in Eiern (3,0 mg) findet. Es ist zwar weniger als bei Olivenöl (33 mg), doch das kann man nur schwer in einem ähnlichen Umfang wie Mandeln verzehren. 100 Gramm Nüsse sind schnell mal verputzt. Doch wer gießt schon - für eine Person - 100 Milliliter Olivenöl über seinen Salat? Solche Mengen sind selbst in Griechenland nicht üblich

Quellen:
  1. Wien MA u.a., "Almonds vs complex carbohydrates in a weight reduction prgoramm", Int J Obes RElat Metab Disorder 2003, 27: 1365-72
  2. Jenkins, DJA u.a., "Almonds decrease postgrandial glycemia, insulinemia and oxidative damage in healthy individuals", J Nutr 2006,136: 2987-2992
  3. Jalali-Khanabadi BA, "Effects of Almond Dietary Supplementation on Coronary Heart Disease Lipid Risk Factors", J Altern Com Med 2010, 16(12): 1279-83