Mandeln- energiereiche Fettmacher oder gesunder Snack?

Eine energie- und fettreiche Ernährungsweise steht in Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen (1). Dabei ist für diese Risikoerhöhung jedoch nicht nur die Einlagerung überschüssiger Energie in Form von Fett entscheidend. Ein weiterer Faktor, der eine Rolle für das kardiovaskuläre Risiko spielt, ist die postprandiale Lipämie (2). Darunter versteht man den kurzzeitigen Anstieg an Fetten (triglyceridhaltigen Lipoproteinen) im Blut infolge einer fettreichen Mahlzeit. Verschiedene Studien konnten bereits einen Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der postprandialen Lipämie und verschiedenen kardiovaskulären Ereignissen (z.B. Myokardinfarkt, Arteriosklerose) feststellen (3-6). So berichten Sarwar et al. beispielsweise in ihrer Meta-Analyse von 29 Studien von einer Assoziation zwischen den postprandialen Fettwerten im Blut und dem Risiko für koronare Herzkrankheiten (3).

Gesundheitsbewusste Personen verzichten daher häufig auf fettreiche Lebensmittel, um gesundheitliche Risiken oder eine Gewichtszunahme zu vermeiden. Aber kann überhaupt generell davon ausgegangen werden, dass fetthaltige Lebensmittel per se einen negativen Effekt auf die Gesundheit ausüben? Mandeln haben beispielsweise einen Brennwert von ca. 544 kcal/100g und einen Fettgehalt von ca. 54 g/100g, weshalb sie zu den energie- und fettreichen Lebensmitteln zählen (7). Dennoch berichten die meisten Studien, dass ihr regelmäßiger Verzehr das kardiovaskuläre Risiko nicht negativ beeinflusst, sondern sogar zur Risikosenkung beitragen kann (Übersicht in (8)). Dabei wurde auch festgestellt, dass Mandeln trotz ihres hohen Fettgehalts nur eine geringe postprandiale lipämische Reaktion hervorrufen. Beispielsweise beobachteten Berry et al. bei Probanden, die ganze Mandeln aßen, eine um 58 % signifikant geringere postprandiale lipämische Reaktion im Vergleich zur Kontrollgruppe (9).

Die kürzlich erschienene Studie von Grundy et al. legt dar, warum die lipämische Reaktion nach einem Verzehr von Mandeln häufig schwächer ausfällt (10). Sie fanden heraus, dass die Mandel-Lipide in der frühen Verdauungsphase, welche entscheidend für das Ausmaß der postprandialen Lipämie ist, nur gering bioverfügbar sind. Das bedeutet, dass ein Großteil (ca. 89-92 %) der in den Mandeln enthaltenen Lipide für die Absorption unzugänglich ist. Damit die Lipide überhaupt aus dem Verdauungstrakt absorbiert werden können, müssen sie zuerst aus den Zellwänden der Mandeln freigesetzt werden (z.B. durch Kauen). Grundy et al. fanden jedoch heraus, dass trotz des Kauvorgangs nur ein geringer Anteil der Lipide freigesetzt und absorbiert wird (ca. 8-11%). Das liegt u.a. daran, dass die Probanden dazu tendierten, die Mandeln nur grob zu zerkauen und in größeren Stücken (>0,5 mm) zu schlucken. Folglich wird nur ein kleiner Anteil der enthaltenen Lipide beim Kaufvorgang freigesetzt, weshalb dem Körper weniger Lipide zur Absorption zu Verfügung stehen, als die Mandeln tatsächlich beinhalten.

Diese Untersuchung bietet auch eine Erklärung dafür, warum Probanden trotz eines regelmäßigen Konsums von Mandeln oftmals keine Gewichtszunahme verzeichnen. Neben einem gesteigerten Sättigungsgefühl, dass auf die enthaltenen Ballaststoffe zurückgeführt werden kann, ist der Körper wahrscheinlich auch nicht dazu in der Lage, den vollen Energiewert der Mandeln nutzen, wenn das Fett als wichtiger Energiebaustein zum Großteil für die Absorption unzugänglich bleibt (10). Dabei bleibt zu beachten, dass sich diese Aussagen nur auf den Verzehr von ganzen Mandeln beziehen. Bei gemahlenen Mandeln kann die Bioverfügbarkeit der Mandel-Lipide unter Umständen deutlich besser ausfallen, da durch die mechanische Zerkleinerung auch mehr Lipide freigesetzt werden.

Folglich üben Mandeln nach derzeitiger Kenntnis einen positiven Effekt auf den Energie- und Fetthaushalt des Körpers aus, weswegen sie als gesunde Alternative für Zwischenmahlzeiten häufiger in Betracht gezogen werden sollten.

Literaturübersicht
  1. K. Oh, F. B. Hu, J. E. Manson, et al. (2005).Dietary Fat Intake and Risk of Coronary Heart Disease in Women: 20 Years of Follow-up of the Nurses' Health Study, Am J Epidemiol. 161 (7):672-679.
  2. V. Sahade, S. França, R. Badaró, et al. (2012). Obesity and postprandial lipemia in adolescents: Risk factors for cardiovascular disease, Endocrinología y Nutrición, 59 (2):131-139.
  3. N. Sarwar, J. Danesh, G. Eiriksdottir, et al. (2007).Triglycerides and the risk of coronary heart disease: 10,158 incident cases among 262,525 participants in 29 Western prospective studies, Circulation, 115:450–458.
  4. A.S. Lindmann, M. B. Veierød, A. Tverdal et al. (2010). Nonfasting triglycerides and risk of cardiovascular death in men and women from the Norwegian Counties Study, Eur J Epidemiol. 25(11): 789–798.
  5. B.G. Nordestgaard, M. Benn, P. Schnohr, et al. (2007). Nonfasting triglycerides and risk of myocardial infarction, ischemic heart disease, and death in men and women, JAMA, 298:299–308.
  6. P. Stiefelhagen (2015). Auch die postprandiale Lipämie beeinflusst das atherogene Risiko, CardioVasc. 15(2):14-14.
  7. S.W. Scouci, W. Fachmann, H. Kraut, et al. (2008). Food composition and nutrition tables : On behalf of the Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Stuttgart: MedPharm Scientific Publishers. 7. Auflage.
  8. S. Fischer, M. Glei (2013). Potential health benefits of nuts. Ernaehrungs Umschau international 60(12): 206–215.
  9. S. Berry, E. A. Tydeman, H.B. Lewis, et al.(2008). Manipulation of lipid bioaccessibility of almond seeds influences postprandial lipemia in healthy human subjects, Am J Clin Nutr. 88:922–929.
  10. M. Grundy, T. Grassby, G. Mandalari, et al. (2014). Effect of mastication on lipid bioaccessibility of almonds in a randomized human study and its implications for digestion kinetics, metabolizable energy, and postprandial lipemia, Am J Clin Nutr. doi: 10.3945/ajcn.114.088328.