Nüsse halten das Gehirn in Schuss

Wo ist der Autoschlüssel? Und wo habe ich überhaupt das Auto geparkt? Mit fortschreitendem Alter lassen unsere Hirnfunktionen nach. Doch das Tempo dieses Prozesses lässt sich durch eine "hirnangepasste" Ernährung durchaus beeinflussen. Und dabei können Nüsse laut jüngsten Studien eine zentrale Rolle spielen.

So enthalten Nüsse eine Reihe von Wirkstoffen, die für die Hirnfunktionen benötigt werden. Wie etwa Polyphenole, die als so genannte Radikalefänger das Blutgefäßsystem vor oxidativen Schäden bewahren und dadurch die Blutversorgung im Gehirn sicherstellen. Außerdem stabilisieren sie den Kalziumhaushalt im Striatum und Hippocampus, also jenen beiden Hirnarealen, die eine Schlüsselrolle für die Gedächtnisfunktionen spielen. Die höchsten Polyphenol-Werte haben mit über 1500 mg auf 100 Gramm die Pekan- und Walnüsse, aber auch Pistazien liegen noch im vierstelligen Bereich und damit deutlich über den 500 Milligramm, die man beispielsweise in Bitterschokolade findet.

Dass ungesättigte Fettsäuren für das Gehirn unentbehrlich sind, ist schon länger bekannt. Denn sie beeinflussen die Größe des Gehirns und sorgen dafür, dass die Neuronen überhaupt elektrische Impulse weiterleiten können. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren findet man vor allem in der Walnuss, bei den einfach ungesättigten Fetten liegen Macadamia, Haselnuss und Mandeln vorn.

In Mandeln findet man überdies sechs Gramm Eiweiß und über sieben Milligramm Vitamin E (pro 100 Gramm). Das ist weit mehr, als man sonst von Obst, Kräutern und Gemüse her kennt, und dies lässt bereits rahnen, dass diese Nussfrüchte einen besonderen „Hirn-Effekt“ entfalten könnten. Einen konkreten Hinweis darauf liefert jetzt eine Studie der Universität in Karachi (1). Die pakistanischen Forscher entdeckten im Experiment an Ratten, das Mandeln den Botenstoffwechsel anregen und mehr Acetylcholin im Gehirn kursieren lassen. Die Nager zeigten außerdem deutlich bessere Ergebnisse in Gedächtnistests, wenn man ihnen vier Wochen eine Mandel-Diät kredenzte. Es gibt keinen Grund für die Annahme, dass sich ein ähnlicher Effekt nicht auch beim Menschen erzielen ließe.

Auch die Walnuss trägt in besondere Maße zur Hirngesundheit bei. Denn sie enthält neben Polyphenolen und mehrfach ungesättigten Fetten viel Melatonin, das nicht nur als „Schlafhormon“ den Tag-Nacht-Rhythmus des Menschen steuert, sondern auch für die cholinergen Nervenzellen im basalen Vorderhin benötigt wird. In einer Studie der Andrews University im amerikanischen Berrien Springs (2) konnten Walnussesser eine unvollständige Geschichte deutlich besser und schlüssiger weiterspinnen als eine Kontrollgruppe, denen man Bananenbrot kredenzt hatte. Die Dosis lag bei einer halben Tasse zerkleinerter Walnüsse pro Tag, das lässt sich im Alltag problemlos integrieren. Oder auch in den Fernsehabend, anstelle von Chips und Bier. Und da wäre es doch mal ein Experiment wert, ob man mit Walnüssen besser das Ende des Krimis erraten kann.

Dass regelmäßige Nussesser insgesamt eine bessere Hirngesundheit haben, zeigt eine Untersuchung des Brigham and Women's Hospitals in Boston (3). Das amerikanische Forscherteam begleitete über 15.000 ältere (über 70 Jahre) Frauen sechs Jahre lang mit Interviews, in denen neben den Ernährungsgewohnheiten und Gesundheitsdaten auch die kognitiven Fähigkeiten abgeklopft wurden, indem man die Probanden unterschiedlichen Tests zu Gedächtnis und Aufmerksamkeit unterzog. Es zeigte sich: Wer mindestens fünf Nussportionen pro Woche verzehrte, nahm seltener Antidepressiva und zeigte dafür ein höheres kognitives Leistungsvermögen. Wobei er auch seltener unter Bluthochdruck und Übergewicht litt, weniger rauchte und sich mehr bewegte, was seinem Gehirn natürlich auch gut getan haben dürfte. Möglich also, dass der fleißige Nussverzehr dem Gehirn nicht direkt nützt. Doch das ändert nichts daran, dass man abends anstelle der Zigaretten und Chips eine Schale Nüsse auf den Wohnzimmertisch stellen sollte.

Literaturübersicht
  1. Batool Z u.a., “Repeated administration of almonds increases brain acetylcholine levels and enhances memory function in healthy rats while attenuates memory deficits in animal model of amnesia”, Brain Res Bull. 2016; doi: 10.1016/j.brainresbull.2015.11.001
  2. Pribis P u.a., “Effects of walnut consumption on cognitive performance in young adults”, British Journal of Nutrition 2011; doi: 10.1017/50007114511004302
  3. O’Brian, J u.a., “Long-term intake of nuts in relation to cognitive function in older women”, J Nutr Health Aging. 2014; doi: 10.1007/s12603-014-0014-6