Darmflora und Erdnuss: Ein ganz besonderes Paar

Der Mensch besteht nicht nur aus Mensch allein: Etwa 100 Billionen Bakterien unterstützen in seinem Darm nicht nur die Verdauung, sondern auch das Immunsystem. Und dieses mikrobiotische Heer hat offenbar eine ganz besondere Beziehung zur Erdnuss, wie jetzt aktuelle Studien zeigen. Demnach hilft ein probiotisches „Aufforsten“ der Darmflora bei der Behandlung von Erdnussallergien, und umgekehrt profitieren die Gäste im Verdauungstrakt, wenn regelmäßig Erdnüsse auf dem Speiseplan stehen.

Verglichen mit dem Heuschnupfen sind Erdnussallergien sehr selten, etwa ein Prozent der Bevölkerung sollen davon betroffen sein. Doch ihre Symptome können heftig sein, und bisher gibt es auch keinen wirklich erfolgversprechenden Therapieansatz. Aber dies könnte sich laut einer australischen Studie (1) demnächst ändern.

Das Forscherteam des Murdoch Childrens Research Instituts verabreichte 30 Kindern mit Erdnussallergie über 18 Monate hinweg eine bestimmte Menge an Erdnussproteinen und gleichzeitig joghurttypische Milchsäurebakterien, wobei deren Dosis langsam gesteigert wurde. Im gesamten Versuchszeitraum entsprach die geschluckte Bakterienmenge rund 20 Gramm Joghurt pro Tag, was auch für empfindliche Kindergaumen kein sonderliches Problem darstellen sollte. Am Ende konnten vier von fünf Kindern – also 80 Prozent – Erdnüsse verzehren, ohne dass ihr Körper darauf reagierte.

Joghurt bzw. seine Milchsäurebakterien sind also tatsächlich eine Option zur Therapie einer Erdnussallergie. In jedem Falle scheint sie kein unwiderrufliches Schicksal zu sein, und möglicherweise lässt sie sich ja sogar verhindern, wenn vorbelastete Kinder, die beispielsweise viele Allergiker in der Familie haben, frühzeitig probiotisch behandelt werden.

Umgekehrt besitzt die Erdnuss offenbar auch einen positiven Einfluss auf die Darmflora, wie Biologen der University of Maryland ermittelt haben. (2) Demnach unterstützen Erdnusskerne das Wachstum von Milchsäurebakterien, die eine Hauptrolle im mikrobiotischen Darmgeschehen spielen. In einem weiteren Experiment wurde zudem festgestellt, dass eine Kombination aus Erdnussmehl und Milchsäurebakterien gleich drei schädliche Keime in die Knie zwingt, die oft mit verdorbenen Lebensmitteln in den Körper gelangen und schwere Erkrankungen auslösen können: Listerien, Salmonellen und EHEC. Für Studienleiter Mengfei Peng steht daher fest, dass Erdnüsse einen stabilisierenden Einfluss auf die Darmflora haben. Inwieweit sich dies auch therapeutisch nutzen lässt, ist freilich noch offen.

In jedem Falle aber bestätigen beide Studien die intensiven Wechselwirkungen von Darmflora und Erdnuss. Oder plakativ ausgedrückt: Sie sind ein gut eingespieltes Team. Und dies spricht dafür, dass beide schon recht lange die Evolution des Menschen begleiten. Ernährungshistoriker schätzen zwar, dass die Erdnuss schon seit etwa 3500 angebaut und verzehrt wird, doch bisher fehlen fossile Beweise für diese These. Die enge Kooperation von Darmflora und Erdnuss liefert nun einen Beleg aus Sicht der Evolutionsbiologie.

Literaturübersicht
  1. Tang ML u.a., “Administration of a probiotic with peanut oral immunotherapy: A randomized trial”, J Allergy Clin Immunol. 2015; 135(3): 737ff.e8. doi: 10.1016/j.jaci.2014.11.034. Epub 2015 Jan 13
  2. Peng M u.a., “Functional properties of peanut fractions on the growth of probiotics and foodborne bacterial pathogens”, J Food Sci 2015; 80(3); M635ff