Erdnüsse hemmen den Appetit und die Blutzuckerantwort - und für Erdnussbutter sind diese Effekte besonders ausgeprägt

Weltweit leiden mehr als 400 Millionen Menschen an Diabetes, Experten sprechen bereits von der „Seuche des 21.Jahrhunderts“. Hauptauslöser für diese Entwicklung sind Übergewicht und eine Ernährung mit zu vielen Zuckern und Fetten. Denn für deren Abtransport aus dem Blut in die Körperzellen muss die Bauchspeicheldrüse viel Insulin ausschütten, und wenn zu große Mengen davon kursieren, fühlen sich die Körperzellen überrumpelt und machen „zu“: Sie lassen immer geringere Mengen des Hormons zu sich herein, so dass Zucker und Fette nicht mehr in ausreichendem Maße aus dem Blut entsorgt werden. Mediziner sprechen dann von „Insulinresistenz“ – sie gilt als typischer Vorläufer von Diabetes.

Ernährungswissenschaftler und Mediziner diskutieren daher in den letzten Jahren, wie sich mit einer modifizierten Ernährung die Insulinresistenz und damit auch Diabetes entschärfen lassen. Ihr Blick richtet sich dabei in jüngerer Zeit auch auf die Nüsse. Eine Studie, die jetzt im British Journal of Nutrition veröffentlicht worden ist (1), bestätigt nun die positiven Effekte von Erdnüssen auf den Blutzuckerspiegel.

Das Forscherteam unter Caio Reis von der Universität im brasilianischen Viçosa testete an 15 übergewichtigen Frauen (BMI zwischen 30 und 35), wie sich ein Frühstück mit 42,5 Gramm geschälten Erdnüssen oder Erdnussbutter auf ihren Blutzuckerspiegel und auf ihr Appetitempfinden niederschlug. Man wählte dazu den Studienaufbau des so genannten „Cross-over-Designs“. Die Probandinnen mussten also, in unterschiedlicher Reihenfolge, drei Frühstücksvarianten verköstigen, nämlich eine mit Erdnüssen, eine mit Erdnussbutter und eine Plazebovariante ohne Nüsse. Zwischen diesen Mahlzeiten lagen mindestens acht Tage, damit sich ihre Auswirkungen nicht überschneiden konnten.

Im Ergebnis erzeugten die beiden Erdnussmahlzeiten unmittelbar nach dem Verköstigen eine ähnliche Blutzuckerantwort - gemessen als IAUC-Wert(2) - wie die nussfreie Variante, doch über einen längeren Zeitraum bis zu acht Sunden wurden deutliche Unterschiede sichtbar. Denn dann fiel der Wert bei den Nussessern um 14,4 Prozent und bei den Nussbutter-Verköstigern sogar um 18,7 Prozent niedriger aus als in der Plazebogruppe.

Das Appetitempfinden der Frauen wurde durch einen Fragebogen erfasst, den sie in bestimmten Zeitabständen ausfüllten. Außerdem protokollierten, was sie im Anschluss ans Frühstück gegessen hatten, was ja ebenfalls einen Rückschluss auf das Sättigungspotential der jeweiligen Frühstücksvariante zulässt. Dabei zeigte sich: Wer den Tag mit einer Erdnussmahlzeit beginnt, entwickelt später weniger Hunger. Und dieser Effekt kann sogar bis zu acht Stunden nach dem Frühstück anhalten, was man ja für den Kampf gegen Übergewicht als durchaus positiv einschätzen muss.

Studienleiter Ries betont, dass seine Untersuchung lediglich Momentaufnahmen liefere und man noch im Langzeit-Versuch erproben müsste, inwieweit sich Appetit und Blutzuckerantwort nachhaltig senken lassen, indem man jeden Morgen ein Erdnuss-Frühstück verzehrt. Die Wirkstoffe hinter diesen potentiellen Effekten stünden aber fest, so der Ernährungswissenschaftler: nämlich die ungesättigten Fettsäuren der Nüsse, die sich stabilisierend auf den Stoffwechsel auswirken. Hierfür spricht allein schon die Tatsache, dass Erdnussbutter in der Studie die Blutzuckerantwort noch stärker dämpfte als die geschälten, aber ansonsten intakten Nüsse. „Die Fette einer Butter besitzen eine deutlich bessere Bioverfügbarkeit, als wenn der Körper sie erst aus den komplexen Verbindungen einer Nuss herauslösen muss“, erklärt Ries. Genauso wie die Carotine aus gekochtem Möhrenbrei besser für uns verwertbar sind als aus einer rohen und intakten Möhre. Es gibt eben Wirkstoffe, die vom Erhitzen und „Zermatschen“ eines Nahrungsmittels profitieren, und dazu gehören auch die Fettsäuren der Nüsse. Was für die eingeschworene Liebhaber der Erdnussbutter sicherlich gute Nachrichten sind.

Literaturübersicht
  1. Reis C, “Acute and second-meal effects on glycaemic response and appetite in obese women with high type 2 diabetes”, British Journal of Nutrition DOI: 10.1017/S0007114512004217, published online: 05 November 2012
  2. IAUC steht für “Incremental area under response curve”, er ist die Basis für den weithin bekannten Glykämischen Index (GI): die Zwei-Stunden-Blutzucker-Antwort-Kurve nach einer Testmahlzeit mit 50 Gramm Kohlenhydraten im prozentuellen Vergleich zu einer Standard-Mahlzeit mit ebenfalls 50 Gramm Kohlenhydraten gemessen bei derselben Person. Ein niedriger GI (kleiner als 50) unterstützt in der Regel die Vorbeuge und Therapie von Diabetes.