Erdnussallergie: Kann der Schweregrad der allergischen Reaktion bald einfacher bestimmt werden?

Rund 4,7 % der Deutschen entwickeln nach Ergebnissen der DEGS1-Studie im Laufe ihres Lebens eine Nahrungsmittelallergie(1). Dabei reagiert das Immunsystem des Körpers auf normalerweise harmlose Lebensmittelbestandteile (z.B. Proteine aus Erdnüssen, Soja, Fisch) mit der Bildung von Antikörpern [Immunglobulin E (IgE)](2). Als Folge können im weiteren Verlauf individuelle allergische Reaktionen auftreten, z.B. Hautreaktionen (Juckreiz, Nesselsucht, Ekzeme), Schleimhautreaktionen (z.B. Fließschnupfen) sowie Atem- oder gastrointestinale Beschwerden.

Oftmals treten solche allergischen Reaktionen durch Nahrungsmittel-Allergene erst nach einer gewissen Verzehrsmenge auf. Bei Erdnuss-Allergikern können dagegen bereits Spuren von Erdnüssen ausreichen, um eine allergische Reaktion hervorzurufen(3). Daher sind die frühzeitige Erkennung einer Erdnussallergie und die Bestimmung ihres Schweregrades für den Betroffenen von großer Bedeutung.

Allergologen und Ärzte können mit verschiedenen Tests prüfen, ob eine Allergie vorliegt(4). Zur gängigen Praxis gehören dabei der Pricktest (leichtes Einstechen des Allergenextraktes in die Haut) sowie der Nachweis von allergenspezifischen IgE-Antikörpern im Blut. Diese Tests geben Aufschluss darüber, ob ein Patient gegenüber einem Allergen sensibilisiert ist. Um jedoch zu prüfen, ob das Allergen tatsächlich eine allergische Reaktion auslöst bzw. auf welche Weise und in welchem Ausmaß der Patient reagiert, wird derzeit häufig durch orale Provokationstests getestet. Dabei wird eine geringe Menge des Allergens verzehrt und die darauffolgende Reaktion durch den Arzt beurteilt. Leider ist diese Prüfung bei bestimmten Nahrungsmittelallergenen, wie z. B. Erdnüssen, sehr riskant, da hierbei unter Umständen heftige allergische Reaktion provoziert werden können. Aus diesem Grund sind für die diagnostische Praxis andere, weniger risikobehaftete Allergentests wünschenswert.

Ein Bluttest zur Bestimmung des Schwergrades

Als Alternative zum oralen Provokationstest erscheint der sogenannte Basophilen-Aktivierungstest (BAT) derzeit vielversprechend. Hierbei wird eine Blutprobe des Patienten mit dem potentiellen Allergen inkubiert. Bei Allergikern reagieren daraufhin die im Blut enthaltenen basophilen Granulozyten (Immunkörperchen) auf das Allergen mit der Bildung von bestimmten Oberflächenproteinen (z.B. CD63), welche im Anschluss nachgewiesen werden können(5). Dass die Menge der gebildeten Oberflächenproteine auch einen Hinweis auf die Schwere der allergischen Reaktion geben können, wurde nun erstmals von der Forschergruppe um Song et al. festgestellt(6). Sie haben in einer randomisierten, doppelt verblindeten Studie 76 Probanden zuerst Blut für den BAT entnommen und anschließend einen oralen Provokationstest u. a. mit Erdnüssen bzw. einem Placebo durchgeführt und die beobachteten allergischen Reaktionen nach Schweregrad eingeteilt. Dabei stellten sie bei der Auswertung eine positive Korrelation zwischen dem im BAT ermittelten Aktivierungsgrad der basophilen Granulozyten und dem ermittelten Schweregrad der Reaktion nach der oralen Provokation fest. Das bedeutet, dass die Menge der zuvor im Bluttest gemessenen Oberflächenproteine der basophilen Granulozyten in etwa die Schwere der im oralen Provokationstest festgestellten allergischen Reaktion reflektierte.

Bis diese Testmethode tatsächlich zur Beurteilung des Schweregrades einer Erdnussallergie herangezogen werden kann, müssen noch weitere Tests zur Bestimmung ihrer Genauigkeit und Reproduktivität durchgeführt werden. Sollte sich diese Methode jedoch als zuverlässig herausstellen, so könnte sie in Zukunft als eine einfache, schnelle und vor allem sichere Testmethode dienen, um die Schwere einer potentiellen allergischen Reaktion auf Nahrungsmittelallergene zu bestimmen.

Literaturübersicht
  1. Langen U, Schmitz R, Steppuhn H (2013), Häufigkeit allergischer Erkrankungen in Deutschland. Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Bundesgesundheitsblatt 56:698–706
  2. Haftenberger M, Laußmann D, Ellert U et al. (2013), Prävalenz von Sensibilisierungen gegen Inhalations- und Nahrungsmittelallergene. Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Bundesgesundheitsblatt  56: 687–697
  3. Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V. (2015), Erdnuss Allergie, online http://www.daab.de/ernaehrung/erdnuss-allergie/
  4. Niggemann B, Beyer K, Erdmann S et al. (2011), Standardisierung von oralen Provokationstests bei Verdacht auf Nahrungsmittelallergie. Allergological Journal 20: 149–60
  5. Gentinetta T, Hausmann O, Bichler W (2011), Basophilen-Aktivierungstest an der Schnittstelle von Serologie und zellulärer Diagnostik. Pipette 5
  6. Song Y, Wang J, Leung N, et al. (2015), Correlations between basophil activation, allergen-specific IgE with outcome and severity of oral food challenges. Annual Allergy Asthma Immunology 114(4): 319-26