Regelmäßiger Nussverzehr hilft bei der Reduktion kardiovaskulärer Risikofaktoren

Kardiovaskuläre Erkrankungen, zu denen auch Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall gehören, sind in den industriellen Ländern eine der häufigsten Todesursachen (1). Dabei geht das größte Erkrankungsrisiko mit dem metabolischen Syndrom einher, einer Kombination aus kardiovaskulären Risikofaktoren, denen eine abdominelle (insbesondere viszerale) Adipositas und/oder Insulinresistenz zu Grunde liegt (2).

Zu diesen Risikofaktoren zählen neben einer viszeralen Adipositas, erhöhte Blutzuckerwerte, erhöhte Blutfettwerte (Triglyceride), ein Bluthochdruck sowie verminderte HDL-Cholesterinwerte. Rund 25 % der deutschen Bevölkerung erfüllen wenigstens zwei Kriterien des metabolischen Syndroms (2), wodurch bei diesen Personen im Vergleich zu Gesunden ein doppelt so hohes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse (z. B. Herzinfarkt, Schlaganfall) besteht (3).

Neben täglicher, körperlicher Bewegung kann vor allem eine gesunde und ausgewogene Ernährungsweise mit regelmäßigem Nussverzehr zur Risikoreduktion und Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen beitragen, wie Forscher der Universität von Toronto in zwei aktuellen Meta-Analysen zeigen konnten (4,5). Dabei untersuchten sie die Zusammenhänge zwischen einem regelmäßigen Nusskonsum und der glykämischen Kontrolle (5) sowie weiteren, kardiovaskulären Risikofaktoren (4) anhand von insgesamt 59 klinischen Studien. Zu den verzehrten Nussarten gehörten dabei Cashews, Haselnüsse, Macadamia, Mandeln, Pekannüsse, Pinienkerne, Pistazien und Walnüsse. Im Fokus der ersten Meta-Analyse stand die Beeinflussung von Biomarkern des metabolischen Syndroms (4). Hierfür wurden insgesamt 47 randomisierte klinische Studien ausgewertet, deren Probanden (n=2211) entweder gesund waren oder Kriterien des metabolischen Syndroms (Dyslipidämie, Hyperglykämie) erfüllten. Dabei wurde festgestellt, dass ein regelmäßiger Nussverzehr von rund 50 g/Tag mit einer signifikanten Reduktion der Triglyceride (MD=-0,06 mmol/l) und Nüchternblutglukose (MD=-0,08 mmol/l) assoziiert ist. Andere Biomarker des metabolischen Syndroms (Blutdruck, HDL-Cholesterin) blieben dagegen unverändert, was u.a. auf die relativ kurzen Studiendauern von rund 8 Wochen zurückgeführt wurde (4). Bei der zweiten Meta-Analyse beschäftigten sich die Forscher mit der Beeinflussung der glykämischen Kontrolle durch regelmäßigen Nussverzehr (5). Die Auswertung der Ergebnisse von insgesamt 12 Studien ergab, dass ein täglicher Konsum von rund 56 g Nüssen bei Typ-2-Diabetikern (n=450) im Durchschnitt zu einer signifikanten Reduktion der Nüchternblutglukose (-0,15 mmol/l p 0,03) sowie des HbA1c-Wertes (-0,07 %, p 0,0003) im Vergleich zur Kontrollgruppe führte (4). Die Messung des HbA1c-Wertes gibt Auskunft über die Blutzuckerwerte der letzen 8 bis 12 Wochen. Daher ist die hier beobachtete Reduktion ein Hinweis darauf, dass ein regelmäßiger Nusskonsum eine bessere glykämische Kontrolle auch über einen längeren Zeitraum hinweg ermöglicht.

Interessanterweise waren in beiden Meta-Analysen die positiven Effekte am stärksten, wenn die Nüsse als Ersatz eines Teils der täglichen Kohlenhydratmenge verzehrt wurden (4,5). Auf diese Weise kann die glykämische Ladung der Nahrung reduziert und ein starker postprandialer Anstieg des Blutzuckers vermieden werden. Zudem führten die Autoren die Verbesserung des Glukose- und Triglyceridspiegels auf die Wirkung der in den Nüssen enthaltenen Ballaststoffe, ungesättigten Fettsäuren und Mineralstoffen wie Magnesium zurück (4,5). Dass in diesen Meta-Analysen weitere metabolische Parameter (Blutdruck, Insulinresistenz) infolge des Nusskonsums keine Veränderungen zeigten, wurde dagegen u. a. auf die kurzen Studiendauern ( 8 Wochen) sowie eine gewisse Heterogenität der Studien bezüglich des Verzehrmusters der Nüsse zurückgeführt. Daher sind in diesem Bereich weitere klinische Studien, welchen ein vergleichbares Verzehrmuster zugrunde liegt (z.B. Nüsse als Ersatz eines Kohlenhydratanteils), wünschenswert.

Obwohl die Ergebnisse dieser aktuellen Meta-Analysen aufgrund der variierenden Studiendesigns in manchen Punkten Antworten schuldig bleiben, kann dennoch gesehen werden, dass sich ein regelmäßiger Nusskonsum positiv auf den Stoffwechsel und kardiovaskuläre Risikofaktoren sowohl in Gesunden als auch Personen mit metabolischen Vorerkrankungen (z.B. Diabetes Typ 2) auswirkt. Daher ist ein regelmäßiger Konsum von Nüssen zur Prävention und Reduktion kardiovaskulärer Risikofaktoren nach aktuellen Daten unbedingt ratsam.

Literaturübersicht
  1. World Health Organization, Noncommunicable diseases country profiles 2014, 2014.
  2. A. Wirth, A. Pfeiffer, A. Steinmetz, et al. Das Metabolische Syndrom. Empfehlungen für die kardiologische Rehabilitation, Herzmedizin. 23, 2006, S. 140–144.
  3. S. Mottillo, KB. Filion, MJ. Eisenberg, et al. The Metabolic Syndrome and Cardiovascular Risk-A Systematic Review and Meta-Analysis. J Am Coll Cardiol. 56 (14), 2010, S. 1113-1132.
  4. S. Blanco Mejia, CWC. Kendall, JL. Sievenpiper, et al. Effect of tree nuts on metabolic syndrome criteria: a systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials, BMJ Open. 4 (7) , 2014, e004660.
  5. E. Viguiliouk, CWC. Kendall, JL. Sievenpiper, et al. Effect of Tree Nuts on Glycemic Control in Diabetes: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Dietary Trials, PLOS ONE.9 (7), 2014, e103376.