Mit Nüssen zur gesunden Darmflora

Studien zeigen: Mandeln wirken präbiotisch

100 Billionen – das ist eine Zahl mit 14 Nullen! So viele Bakterien leben in unserem Darm, und es liegt auf der Hand, dass solch ein gigantisches Heer großen Einfluss auf unseren Körper haben muss. So haben denn auch Wissenschaftler in den letzten Jahren herausgefunden, dass es nicht nur für die Verdauung, sondern auch für das Immunsystem, die Vitaminsynthese und sogar die Psyche von großer Bedeutung ist. Was umgekehrt bedeutet, dass man die Darmflora unbedingt funktionstüchtig halten muss. Und hierzu können Nüsse offenbar einen wichtigen Beitrag leisten.

Schon im Jahre 2008 konnten englische Wissenschaftler(1) im Labor nachweisen, dass fein gemahlene Mandeln die Darmflora stabilisieren. Sie wirken demnach als so genannte Präbiotika, die den Nutzbakterien der Darmflora als Nahrung dienen und ihnen dadurch helfen, sich gegenüber schadhaften Mikroben durchzusetzen. Chinesische Ernährungswissenschaftler konnten nun diesen Effekt auch für die konkrete Anwendung am Menschen belegen.(2)

Das Team unter Zhibin Liu von der Fuzhou University verabreichte 48 gesunden Probanden sechs Wochen lang entweder eine Tagesration von 56 Gramm Mandeln oder 10 Gramm Mandelhaut oder 8 Gramm Oligofruktose, einem komplexen Fruchtzucker, der sich bereits als Präbiotikum bewährt hat. Während der jeweiligen Diät und an ihrem Ende wurden Proben vom Stuhlgang genommen. Dabei zeigte sich, dass die Probanden in den Mandelgruppen mehr Bifidobakterien und Laktobazillen ausbildeten. Diese Darmflorastämme verdauen Zucker und Milchzucker, und sie produzieren dabei die B-Vitamine Folsäure, Niacin und Pyridoxin. Laktobazillen tragen außerdem zur Senkung des Blutcholesterinspiegels und Mobilisation des Immunsystems bei. Von großer Bedeutung ist aber auch, dass die Bifido-Lakto-Fraktion den Schadbakterien im Darm das Leben schwer macht. Dies konnte man auch bei den Probanden beobachten: Ihre Stuhlproben zeigten deutlich weniger schadhafte Chlostridiumstämme, die bekanntermaßen Darmentzündungen und Vergiftungen auslösen können.

Bleibt die Frage, welche Substanzen für den präbiotischen Effekt der Mandeln zuständig sind. In erster Linie werden es wohl Kohlehydrate sein, denn die zählen zu den Lieblingsspeisen der probiotischen Darmbakterien. Es muss aber auch mit den Fettsäuren zu tun haben. Denn als die englischen Wissenschaftler den Fettgehalt der Kerne reduzierten, ließ ihr positiver Darmeffekt deutlich nach. In jedem Falle aber sitzen die verantwortlichen Wirkstoffe vor allem in den Mandelhäuten, denn die schnitten in der chinesischen Studie trotz deutlich geringerer Dosierung genauso gut ab wie die kompletten Früchte. Wer also seiner Darmflora etwas besonders Gutes tun will, sollte ungeschälte Mandeln in sein Müsli mischen.

Quellen:
  1. Mandalari G, u.a., „Potential Prebiotic Properties of Almond Seeds“, Appl Environ Microbiol 2008, 74(14)
  2. Liu Z u.a., „Prebiotic effects of almond skins on intestinal microbiota in healthy adult humans“, Anaerobe 2013 Dec 3