Eine Paranuss am Tag zur Reduktion des kardiovaskulären Risikos bei Übergewichtigen

Übergewicht und Adipositas sind laut den Ergebnissen des Mikrozensus 2009 in Deutschland weit verbreitet. Insgesamt 34,4% der Erwachsenen haben einen BMI zwischen 25 und 29,9 und gelten damit als übergewichtig. Als adipös (BMI ≥ 30) werden 13,4% der Erwachsenen eingestuft. Insgesamt sind 40% der Frauen und 55,7% der Männer übergewichtig beziehungsweise adipös(4).

Übergewicht selbst ist noch keine Krankheit, jedoch steigt mit zunehmendem BMI das Risiko Folgeerkrankungen zu entwickeln. Zu diesen Folgekrank-heiten gehören u.a. Bluthochdruck, Diabetes Typ 2, verschiedene Krebsarten und kardiovaskuläre Erkrankungen(8). Gründe, welche zur Entwicklung von Folgekrankheiten beitragen sind z.B. Inaktivität, Hyperglykämie, hoher Fettgewebsanteil und chronische Inflammation. Außerdem weisen übergewichtige bzw. adipöse Menschen im Vergleich zu normalgewichtigen niedrigere Plasmaspiegel von Vitaminen und Mineralstoffen auf und die Aktivität antioxidativer Enzyme ist vermindert. Dies führt zu erhöhtem oxidativem Stress im Körper, was zu einer Entwicklung von Folgekrankheiten, v.a. kardiovaskulären Erkrankungen, führen kann(6).

Nüsse sind bekannt für ihre unterstützende Wirkung bei der Verbesserung der Blutfettwerte, beim Anstieg der Aktivität antioxidativer Enzyme und der Reduktion des kardiovaskulären Risikos(2,3). Der Grund für diese protektiven Effekte von Nüssen liegt vermutlich in einem Zusammenspiel der unterschiedlichen Inhaltsstoffe, denn Nüsse bieten eine gute Quelle für einfach ungesättigte Fettsäuren und essentielle mehrfach ungesättigte Fettsäuren (Linolsäure, α-Linolensäure) und enthalten eine Reihe bioaktiver Komponenten, welche gemeinsam zur positiven Wirkung der Nüsse beitragen.

Eine Gruppe von Wissenschaftlern aus Brasilien untersuchte die Wirkung von Paranüssen auf den Selen-Status, die Glutathionperoxidase (GPx)-Aktivität und die Blutfette bei adipösen Frauen(1). An der Studie nahmen 37 adipöse Frauen (ø 34,5 Jahre) mit einem durchschnittlichen BMI von 45,2 ± 4,2 teil. Jede der Frauen verzehrte eine Paranuss am Tag über einen Zeitraum von acht Wochen.

Zu Beginn der Studie wiesen alle Frauen ein Selen-Defizit auf, welcher durch den Verzehr von einer Paranuss am Tag ebenso signifikant verbessert werden konnte, wie auch das HDL-Cholesterin. Außerdem konnte die Aktivität des an antioxidativen Prozessen beteiligten Enzyms, Glutathionperoxidase (GPx), signifikant erhöht werden. Der BMI der Studienteilnehmerin hat sich nicht signifikant geändert.

Der Selengehalt von Paranüssen kann je nach Herkunftsort stark variieren und lag bei dieser Studie bei ungefähr 290 µg je Paranuss (58,1 ± 3,0 µg/g).

Vor Intervention Nach Intervention
Alter 34,5 ± 6,8
BMI 45,2 ± 4,2 45,7 ± 4,3
Plasma-Selen (μg/L) 55,7 ± 13,3 132,5 ± 34,9
Plasma-Selen Normbereich (μg/L) [Umweltbundesamt 2002] 50 - 120
GPx-Aktivität (μg/g Hämoglobin Level) 36,6 ± 17,1 53,6 ± 20,4
HDL-Cholesterol (mg/dL) 37,6 ± 13,6 44,5 ± 13,4
HDL-Cholesterol Normbereich bei Frauen (mg/dL)(7) >50

Paranüsse gelten als Selen-reichstes natürliches Lebensmittel und stammen aus dem Amazonasgebiet in Brasilien. Außer dem Selen, enthalten sie noch weitere bioaktive Substanzen, wie α- und β-Tocopherol, Folsäure, Phenolverbindungen, Magnesium, Phosphat, Kalzium, einfach- und mehrfach-gesättigte Fettsäuren. Selen übernimmt wichtige Funktionen bei antioxidativen und immunologischen Prozessen und im Schilddrüsenhormonstoffwechsel.

Diese Studie konnte zeigen, dass Paranüsse eine gute Möglichkeit der natürlichen Selen-Supplementierung bieten, sie können die Blutfettwerte verbessern und unterstützen die Reduktion des kardiovaskulären Risikos.

Quellen:
  1. Cominetti C, de Bortoli MC, Garrido AB Jr, Cozzolino SM (2012) Brazilian nut consumption improves selenium status and glutathione peroxidase activity and reduces atherogenic risk in obese women. Nutr Res., 32(6):403-7
  2. Kelly JH JR, Sabaté J (2006) "Nuts and coronary heart disease: an epidemiological perspective." Br J Nutr ; 96 (suppl 2): 61-67
  3. Sabaté J, Oda K, Ros E (2011) "Nut consumption and blood lipid levels." Arch Intern Med May; 170(9): 821-827
  4. Statistisches Bundesamt "Statistisches Jahrbuch 2012 - Gesellschaft und Staat. Kapitel 4 - Gesundheit." https://www.destatis.de/DE/Publikationen/StatistischesJahrbuch/GesellschaftundStaat/Gesundheit.pdf?__blob=publicationFile
  5. Umweltbundesamt (2002) "Selen und Human-Biomonitoring. Stellungnahme der Kommission "Human-Biomonitoring" des Umweltbundesamtes" Springer-Verlag; Bundesgesundheitsbl-Gesundheitsforsch-Gesundheitsschutz; 45: 190-195
  6. Vincent HK, Taylor AG (2006) "Biomarkers and potential mechanisms of obesity-induced oxidant stress in humans." Int J Obes (Lond), 30(3):400-18
  7. WHO/FAO "Global database on Body mass index. BMI classification." http://apps.who.int/bmi/index.jsp?introPage=intro_3.html (Stand: Januar 2013)
  8. WHO/FAO (2003) "Diet, nutrition and the prevention of chronic diseases. Report of a joint WHO/FAO expert consultation." WHO Technical Report Series, No. 916 (TRS 916) http://whqlibdoc.who.int/trs/WHO_TRS_916.pdf (Stand: Januar 2013)