Studie mit deutscher Beteiligung zeigt: Nüsse machen eher schlank als dick

Dass Nüsse vor Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen, ist weithin bekannt. Doch weil dieser Schutz wesentlich mit ihren ungesättigten Fetten zusammenhängt, haben sie ein Imageproblem: Viele Konsumenten halten sie für Kalorienbomben, die zwar gesund sind, andererseits aber auch Übergewicht fördern. Doch das ist, wie jetzt ein internationales Forscherteam unter Beteiligung des deutschen Ernährungswissenschaftlers Hans Biesalski herausgefunden hat, nichts als ein Vorurteil(1).

Die Wissenschaftler sichteten das vorhandene Studienmaterial zu dem Thema und stießen dabei schon auf einen geographischen Hinweis, dass Nüsse möglicherweise sogar vor überschüssigen Fettpolstern schützen könnten. „In den Mittelmeerregionen ist der Nussverzehr etwa doppelt so hoch wie in den USA, die dennoch weit mehr Übergewichtige aufweisen“, so die Autoren. Was natürlich auch daran liegen könnte, dass man jenseits des nördlichen Atlantiks nicht nur weniger Nüsse, sondern auch mehr Fast Food verzehrt. Doch andere Studien bestätigen die „inverse Korrelation“, also den gegensätzlichen Zusammenhang zwischen Nussverzehr und Übergewicht.

So ergab eine Untersuchung an 8865 erwachsenen Männern und Frauen, dass die regelmäßigen Nussesser (mehr als zwei Portionen pro Woche) ein um 40 Prozent geringeres Risiko für einen Gewichtszuwachs hatten als die Gelegenheitsnussesser. Über einen Beobachtungszeitraum von 28 Monaten legten sie 350 Gramm weniger Körpermasse zu. In einer anderen Unter- suchung verloren Patienten mit Metabolischem Syndrom durchschnittlich 2,2 Kilogramm Körpergewicht, nachdem ihr Speiseplan zwölf Wochen lang „kernige“ Unterstützung erfahren hatte. Man hatte ihnen täglich einen 30-Gramm-Mix aus Walnüssen, Mandeln und Haselnüssen kredenzt.

Wurden einzelne Nusssorten wie Mandeln, Erdnüsse und Pistazien im Hinblick auf die Entwicklung des Körpergewichts untersucht, zeigten sich zwar keine „Abspeckeffekte“, doch die Probanden legten in der Regel auch nicht zu. Was im Fazit bedeutet: Wer Nüsse in den Speiseplan einbaut, wird kaum dicker dadurch werden – und bei einer gemischten Nussdiät darf er sogar darauf hoffen, dass er Körperfett verliert.

Bleibt die Frage, warum Nüsse trotz ihres hohen Fett- und Kaloriengehaltes den Waagenzeiger nicht unaufhaltsam nach rechts und im einen oder anderen Fall sogar nach links dirigieren können. Eine der Ursachen ist, dass sie aufgrund ihres hohen Faser- und Eiweißanteils nachhaltig satt machen. Eine weitere Rolle spielen aber wohl auch ihre Polyphenole, von denen bekannt ist, dass sie die Kontrolle des Körpergewichts erleichtern können.

Außerdem zeigte sich in einem Vergleichstest mit Milchprodukten, dass Nüsse die Körpertemperatur stark ansteigen lassen. Sie machen also im wahrsten Sinne warm ums Herz, und insofern dafür mehr Energie benötigt wird, bedeutet dies gleichsam einen höheren Kalorienverbrauch.

Hauptverantwortlich für diesen Effekt sind ihre ungesättigten Fettsäuren, die im Organismus diverse Funktionen erfüllen und nicht nur einfach zum Depotfett geleitet werden.

Für Biesalski und sein Team steht daher fest: „Der konsequente Nussverzehr empfiehlt sich, um den gesundheitlichen Status eines Menschen zu verbessern.“ Und der Verdacht, dass sie möglicherweise dick machen könnten, sei nichts als „ein weit verbreitetes Missverständnis“.

Quelle:
  1. Vadivel V, Kunyanga C, Biesalski H, „Health benefits of nut consumption with special reference to body weight control“ Nutrition 28 (2012): 1089ff

Prof.Hans Biesalski zählt zu den bekanntesten Ernährungswissenschaftlern in Deutschland. Er leitet an der Universität Hohenheim das Institut für Biologische Chemie und Ernährung.