Der langfristige Einfluss von ungesättigten Fettsäuren aus Walnüssen auf die diabetische Stoffwechsellage

Die meisten diätetischen Maßnahmen in der Therapie des Diabetes Typ 2 zeigen zwar kurzfristige metabolische Verbesserungen, doch langfristige Erfolge bleiben weiterhin eine Herausforderung. Den Nahrungsfetten, besonders den ungesättigte Fettsäuren (PUFA), kommt dabei eine entscheidende Rolle zu.

Bereits in einer 2004 durchgeführten Studie über einen kürzeren Zeitraum beobachteten Tapsell und Kollegen(1), dass die Zugabe von 30g Walnüssen pro Tag im Rahmen einer zudem fettarmen Kost bei Typ 2-Diabetikern die Zufuhr an ungesättigten Fettsäuren (PUFA) signifikant erhöhte. Sie nahmen an, dass sich über eine Dauer von einem Jahr durch fortgesetzt hohe PUFA-Aufnahme der Körperfettanteil verändern könnte, ebenso die an der Regulation beteiligten Hormone (Insulin, Leptin) und weitere Stoffwechsel-Parameter (Glucose, Cholesterinspiegel, Energieumsatz).

In der nachfolgenden, kürzlich publizierten Interventionsstudie(2) wurde nun über einen Zeitraum von 12 Monaten untersucht, inwieweit die Zugabe von 30g Walnüssen pro Tag bei einer ansonsten fettreduzierten Kost die diabetische Stoffwechsellage beeinflusst. Dazu wurden 50 nicht insulinpflichtige, übergewichtige Diabetiker randomisiert und hinsichtlich einer fettreduzierter Ernährung mit dem Ziel der Gewichtserhaltung beraten (ca. 2000 kcal, 30 % Fett). Die Interventionsgruppe wurde angewiesen, täglich zusätzlich 30g Walnüsse zu verzehren.

Im Verlauf der 12 Monate hatten alle Teilnehmer ihre Energieaufnahme gesenkt und den relativen Proteingehalt ihrer Nahrung erhöht.

Nach drei Monaten nahm die Walnuss-Gruppe doppelt so viele PUFA zu sich als die Kontrollgruppe. Die alpha-Linolensäure-Konzentration in den Erythrozyten hatte sich in beiden Gruppen erhöht, mit einer größeren Steigerung in der Walnuss-Gruppe. Interessanterweise ergab sich dieser Effekt nur in den ersten drei Monaten und flachte zum Ende des Interventionszeitraums hin leicht ab. Nachlassende Compliance über einen längeren Zeitabschnitt könnte diesen Effekt mit bedingen.

In der Walnuss-Gruppe sank die Nüchtern-Insulinkonzentration vor allem in den ersten 3 Monaten, was sich auch in einem verminderten HbA1c-Wert nach 6 Monaten widerspiegelte. Dies bestärkt die anfänglichen Effekte einer gesteigerten PUFA-Aufnahme.

Die Teilnehmer beider Gruppen hatten nach 12 Monaten an Gewicht verloren, obwohl nur die Stabilisierung angestrebt wurde; die Walnuss-Verzehrer schienen ihr Gewicht länger stabil halten zu können. Bezüglich eines veränderten Körperfettanteils ergaben sich keine validen Messungen.

Die Leptin-Spiegel schwankten in beiden Gruppen und lagen am Ende der Studie um rund 50% niedriger, was angesichts der verminderten Energiezufuhr zu erwarten war.

Die Ernährung als ein Grundpfeiler im Diabetes-Management bedarf sowohl der zielgerichteten Lebensmittel-Auswahl als auch der Compliance seitens des Patienten mit der empfohlenen Ernährungsweise. Eine vollwertige Ernährung liefert die Nährstoffe in ihrem natürlichen biologischen Zusammenhang und Modifikationen hinsichtlich einzelner Lebensmittel lassen sich praktischer umsetzen als mechanistische Vorstellungen rein nährstoffdefinierter Endziele(3).

Walnüsse sind eine ergiebige Quelle für alpha-Linolensäure und können den mit natürlichen Lebensmitteln verzehrten Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren positiv beeinflussen. Es ist anzunehmen, dass die hohe Nährstoffdichte und das synergistische Zusammenwirken mit weiteren Makro- und Mikronährstoffen sowie sekundären Pflanzenstoffen für die positiven Effekte des Walnussverzehrs bei Patienten mit Typ 2-Diabetikern verantwortlich ist.

Quellen:
  1. Tapsell LC, Gillen LJ, Patch CS et al (2004): Including walnuts in a low-fat/modified fat diet improves HDL cholesterol-to-total cholesterol in patients with type 2 diabetes. Diabetes Care 27: 2777-2783
  2. Tapsell LC, Batterham MJ, Teuss G et al (2009): Long-term effects of increased dietary polyunsaturated fat from walnuts on metabolic parameters in type II diabetes. Eur J Clin Nutr Apr 8; 1-8
  3. Jacobs DR Jr, Gross MD, Tapsell LC (2009): Food synergy: an operational concept for understanding nutrition. Am J Clin Nutr May; 89 (5): 1543 S-1548 S