Paranüsse verbessern den Selenstatus und den oxidativen Schutz bei Dialyse-Patienten

Zwischen 20 und 50 % der Patienten, die sich mehrmals wöchentlich der Dialyse ("Blutwäsche") unterziehen müssen, haben einen mangelhaften Ernährungszustand, denn es kommt sowohl zum Verlust von Nährstoffen als auch zu Protein-abbauenden Prozessen(2). Chronische Entzündungsreaktionen zeigen sich bei niereninsuffizienten Patienten besonders häufig, unter anderem infolge der Bedingungen der Dialyse und durch Urämie-assoziierte Faktoren. In der Folge entwickelt sich eine verstärkte pro-oxydative Aktivität und damit eine reduzierte oxydative Abwehr. Niereninsuffiziente, dialysepflichtige Patienten haben häufig einen erniedrigten Plasma-Selenspiegel.

Das Spurenelement Selen ist ein integraler Bestandteil der Glutathion-Peroxidase, einem wichtigen Bestandteil der zellulären Abwehr gegen die Folgen von oxidativem Stress. Das Enzym erreicht seine höchste Wirksamkeit, sobald die Selenzufuhr das empfohlene Niveau erreicht hat: bei 60-80 µg/d liegt ihr Aktivitäts-Maximum.

Über den höchsten Selen-Gehalt verfügt die im Amazonasgebiet beheimatete Paranuss. Laut Lebensmitteldatenbank des US Departments of Agriculture (USDA)(3) weisen Paranüsse außerordentlich hohe Werte an gut bioverfügbarem Selen auf, 100 g enthalten rund 1917 µg, je nach Sorte und Anbauregion auch deutlich mehr. Die Paranuss wird nicht kultiviert, so dass auch die in Deutschland im Handel angebotenen Paranüsse aus Südamerika (Amazonien) kommen und davon ausgegangen werden kann, dass die in der USDA-Datenbank angegebenen Selengehalte auch auf die hier verzehrten Nüsse zutreffen.

Die Forschergruppe um Stockler-Pinto(1) untersuchte die Auswirkungen einer Paranuss-Gabe auf den Selenstatus und die Aktivität der Glutathion-Peroxidase bei Dialyse-pflichtigen Patienten. Dazu rekrutierte sie 81 Patienten, davon 55 Männer und 26 Frauen, die 3-mal pro Woche in Nierenzentren im brasilianischen Rio de Janeiro hämodialysiert werden. Jeder Patient erhielt drei Monate lang täglich eine Paranuss von etwa 5 Gramm. Zu Beginn und Ende des Studienzeitraums wurden Blutproben entnommen und der Selengehalt sowohl im Plasma als auch in den Erythrozyten bestimmt. In den Erythrozyten wurde zudem die Aktivität der selenabhängigen Glutathionperoxidase bestimmt.

Auffällig war, dass 93 % der Patienten zu Studienbeginn im Vergleich zur Durchschnittspopulation deutlich weniger Selen mit ihrer Nahrung aufnahmen. 98 % der Patienten wiesen zudem deutlich erniedrigte Plasma-Selenwerte auf (Normbereich 60-120 µg/l). Auch der Selengehalt in den Erythrozyten war vor der Intervention signifikant vermindert, ebenso die Aktivität der Glutathionperoxidase Nach der Intervention zeigte sich bei allen 3 Parametern ein signifikanter Anstieg, wie die nachstehende Tabelle zeigt:

ParameterVor Paranuss-VerzehrNach Paranuss-Verzehr
Plasma-Selen (µg/l) 18,8 ± 17,0 104,0 ± 65,0
Erythrozyten-Selen (µg/l) 72,4 ± 37,9 244,1 ± 119,5
Glutathion-Peroxidase (U/g Hämoglobin) 46,6 ± 14,9 55,9 ± 23,6

Bisherige klinische Untersuchungen arbeiteten mit verschiedenen, meist anorganischen Selen-Verbindungen, verabreicht als Supplement. Wenn es jedoch möglich ist, den Bedarf über die Paranuss als natürliches Lebensmittel zu decken, dann bietet sich der Vorteil der guten Bioverfügbarkeit bei vermindertem toxischem Risiko infolge einer möglichen Überdosierung. Außerdem ist eine gute Compliance zu erwarten, denn Nüsse sind leicht erhältlich und schmackhaft.

Quellen:
  1. Stockler-Pinto MB, et al (2009): Effect of Brazil nut supplementation on the blood levels of selenium and gluthatione-peroxidase in haemodialysis patients. Nutrition, doi:10.1016/j.nut.2009.08.006
  2. W. Druml, M. Kuhlmann, H. Mann, W. H. Hörl: DGEM-Leitlinie Enterale Ernährung: Nephrologie. Aktuel Ernaehr Med 2003; 28, Supplement 1: S93-S102.
  3. USDA national nutrient database for standard reference. http://www.nal.usda.gov/fnic/foodcomp/search/2006 (release 19)