Walnüsse verbessern den Blutfluss

Yale-Studie zeigt: Arterienwände entspannen sich besser, wenn täglich Walnüsse gegessen werden

Allein in Deutschland erleiden 280.000 Menschen pro Jahr einen Herzinfarkt, der damit mit weitem Abstand die häufigste aller lebensbedrohlichen Erkrankungen darstellt. Seine Ursachen sind vielfältig. Eine zentrale Rolle spielt jedoch immer die Fließleistung in den Blutgefäßen: Je schlechter das Blut in den Herzkranzgefäßen fließt, umso eher droht hier der Verschluss und damit der Infarkt.

Groß angelegte Studien der letzten Jahre haben gezeigt, dass eine mediterrane Diät mit hohem Anteil an Nüssen, Gemüse und Olivenöl das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen herunterschraubt. Getragen wird dieser Effekt unter anderem von den ungesättigten Fetten der Nüsse und des Olivenöls, von denen schon länger bekannt ist, dass sie im Blut den Cholesterinspiegel und auch die Gerinnungsneigung positiv beeinflussen. Eine aktuelle Studie der Yale-University im amerikanischen New Haven konnte nun nachweisen, dass eine gezielte Walnuss-Diät bei Diabetikern, die ja in besonderem Maße anfällig für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind, die Leistung der Blutgefäße verbessert und auf diesem Wege vor Herzerkrankungen schützen kann.

24 Patienten mit Diabetes vom Typ 2 erhielten entweder eine Diät, die mit 56 Gramm Walnüssen pro Tag ausgestattet war, oder aber eine Kost mit gleichem Kalorienanteil ohne Nüsse. Der Versuch dauerte acht Wochen. Danach wurden diverse Messungen durchgeführt, um den Zustand des Blutes und der Blutgefäße zu messen. Neben den Standardmessungen der Cholesterinwerte wurde der FMD(Flow Mediated Dilatation)-Test angewandt, mit dem sich per Ultraschall darstellen lässt, wie weit sich die Oberarmarterie ausdehnen kann, nachdem man sie per Blutdruckmanschette kurzfristig zusammengedrückt hat. Dadurch lässt sich erkennen, wie flexibel die Blutgefäße sind: Je größer ihre Beweglichkeit, umso weniger Widerstand setzen sie dem Blutfluss entgegen.

Im Ergebnis zeigten die Walnuss-Probanden geringere Cholesterinwerte, speziell der Anteil des LDL-Cholesterins ging deutlich nach unten. Diese "Low-Density-Lipid-Variante" gilt als besonders gefährlich, weil sie extrem viel Cholesterin an die Arterienwände abgibt. Dort bilden sich dann sogenannte Schaumzellen, die den Querschnitt der Arterien verringern und damit den Blutfluss einschränken. Eine Senkung des LDL-Pegels sollte also auch das Blut besser fließen lassen.

Die FMD-Tests zeigten, dass sich die bloße Diätgruppe mit einer Verbesserung der Gefäßflexibilität um 1,2 Prozent zufrieden geben musste, während die Walnuss-Probanden auf 2,2 Prozent, also fast auf den doppelten Wert kamen. "Diese Befunde bestätigen die Ergebnisse früherer Studien, in denen Walnüsse die Gefäßleistungen bei Patienten mit erhöhten Cholesterinwerten verbessert haben", erläutert Studienleiter David Katz.

Bleibt die Frage, auf welchem physiologischen Wege Walnüsse die Leistungen der Blutgefäße verbessern. Es geschieht einerseits dadurch, dass sie die Ausschüttung von Stickoxid (NO) anregen, das bekanntermaßen die Muskeln der Blutgefäße zur Entspannung bringt. Außerdem konnte aber auch, wie Katz ausführt, "im Tiermodell gezeigt werden, dass der Walnussverzehr die Ausschüttung von Endothelinunterdrückt". Dieser Stoff verengt die Blutgefäße und steigert den Blutdruck etwa 100 Mal so stark wie Noradrenalin - und das gilt bereits als Hormon, das sehr intensiv auf den Blutkreislauf wirkt.

Walnüsse entspannen also die Blutgefäßwände auf vielfältige Weise. Das verdanken sie neben ihren ungesättigten Fetten vor allem ihrem Arginin. Denn diese Substanz gehört zu den Eiweiß bildenden Aminosäuren, was sie allein schon unentbehrlich für den Körper macht. Arginin besitzt aber auch noch den meisten Stickstoff unter diesen Aminosäuren, und dadurch bildet es die ergiebigste Quelle für die Produktion des bereits erwähnten Stickoxids und Gefäßentspanners NO. Dass man diesen Effekt nicht genug würdigen kann, zeigt schon eine Blick auf die herkömmlichen Arzneimittellisten. Denn hier findet man viele Medikamente mit dem Wirkstoff Nitroglyzerin. Man schätzt diese Substanz in der Medizin nicht etwa als Sprengstoff, sondern als Quelle von NO - und verwendet sie deshalb zur Behandlung von Bluthochdruck, Herzschwäche und Infarkten.

Quelle:
  • Ma Y u.a., "Effects of Walnut Consumption on Endothelial Function in Type 2 Diabetics: A Randomized, controlled, cross-over Trial". Diabetes Care, 2010; 33(2): 227ff