Helfen Nüsse gegen Diabetes?

Immer mehr Menschen sind von Diabetes Mellitus, im Volksmund auch die "Zuckerkrankheit" genannt, betroffen. Laut dem Robert Koch Institut(1) leiden in Deutschland etwa 4 Millionen Menschen an Diabetes, wobei 80-90% an Typ2 Diabetes erkrankt sind. Diabetes Mellitus Typ2 beruht auf Insulinresistenz, sprich der Körper produziert (im Gegensatz zu Typ1) zwar Insulin, reagiert aber nicht mehr darauf. Früher war diese Form des Diabetes auch als Altersdiabetes bekannt, doch auf Grund der veränderten Lebensgewohnheiten

  • weniger Bewegung
  • ungesunde Ernährung
  • Übergewicht

entwickeln vermehrt junge Menschen diese Form des Diabetes. Häufig tritt die Insulinresistenz zusammen mit anderen Stoffwechselstörungen und Bluthochdruck auf, so dass das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle deutlich erhöht ist.

Eine Forschungsgruppe aus Kanada um Cyril Kendall(2) hat im Januar 2010 verschiedene Studien zum Thema Einfluss von Nüssen auf Diabetes Mellitus ausgewertet und kam zu dem Schluss, dass Nüsse präventives Potenzial besitzen könnten.

Galten Nüsse früher noch als ungesund, da sie viel Fett enthalten, werden sie heute als Bestandteil einer gesunden Ernährung geschätzt. Sie enthalten nur wenig gesättigte Fettsäuren, dafür einen hohen Anteil an ernährungsphysiologisch wichtigen einfach- und mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Des Weiteren sind sie reich an Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen. Besonders wichtig, unter dem Aspekt von Diabetes, ist ihr geringer Gehalt an schnell verfügbaren Kohlenhydraten. Nüsse gehören darum zu den Lebensmitteln mit einem geringen Glykämischen Index, d.h., sie lassen den Blutzuckerspiegel langsam ansteigen und wirken sich positiv auf die Kontrolle des Blutzuckers aus. Dieser Aspekt gilt als sehr bedeutend in Bezug auf die Entstehung von Diabetes. Die kanadischen Forscher weisen allerdings darauf hin, dass die momentane Studienlage teils widersprüchliche Ergebnisse liefert. Sie verweisen auf zwei epidemiologische Studien, die den Einfluss von Nüssen auf das Diabetesrisiko untersuchen. Hierfür wurde von Parker et al(3) (2003) eine Teilkohorte der "Iowa Women's Health Study" (IWHS) und von Jiang et al(4) (2002) eine Teilkohorte der "Nurses' Health Study" (NHS) untersucht. Bei beiden Studien handelt es sich um prospektive Kohortenstudien bei Frauen. Die untersuchte Teilkohorte der IWHS umfasste etwa 36.000 Frauen zwischen 55 und 69, die NHS-Teilkohorte ca. 84.000 Frauen im Alter von 34 bis 59 Jahren. Während die IWHS keinen Einfluss von Nussverzehr auf das Diabetesrisiko nachweisen konnte, beobachtete die Gruppe um Jiang bei Frauen, die fünfmal pro Woche oder öfters Nüsse konsumierten, ein um 27% reduziertes Risiko an Diabetes zu erkranken.

Die Wissenschaftler um Kendall weisen darauf hin, dass es bisher nur wenige Interventionsstudien gibt, die einen positiven Einfluss von Nüssen auf die Regulierung des Blutzuckerspiegels nachweisen und fordern darum Langzeit-Interventionsstudien auf diesem Gebiet.

Eine gute Studienlage hingegen zeigt, dass Nüsse das Risiko für kardiovasculäre Krankheiten mindern können. Die Auswertung von vier großen Kohortenstudien (NHS, IWHS, "Adventist Health Study" und "Physician' Health Study") zeigt, dass der häufige Verzehr von Nüssen (viermal pro Woche oder öfters) das Risiko an koronarer Herzkrankheit zu sterben, um 37% senkt.

Da Diabetiker ein erhöhtes Risiko für solche Erkrankungen haben, evaluierten die kanadischen Forscher auch Studien, die speziell den Einfluss von Nüssen auf kardiovasculäre Risikofaktoren bei Diabetikern untersuchten. Auch in diesem Bereich gibt es deutliche Anzeichen einer positiven Wirkung von Nüssen. So hatten Typ 2 Diabetikerinnen der NHS ein um 44% geringeres Risiko für kardiovasculäre Krankheiten, wenn sie mindestens fünfmal pro Woche Nüsse verzehrten. Allerdings kommen die Forscher auch hier zu dem Entschluss, dass für eine abschließende Beurteilung gut designte Langzeitstudien fehlen.

Trotz des Fehlens von langfristigen Interventionsstudien gibt es deutliche Hinweise, dass Nüsse auf Grund ihrer positiven Wirkung auf Herzkreislauferkrankungen und des geringen Glykämischen Index fester Bestandteil in der Ernährung von Diabetikern sein sollten.

Quellen:
  1. Robert Koch Institut: Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 24 Diabetes Mellitus.
  2. CWC Kendall et al: Health benefits of nuts in prevention and management of diabetes. Asia Pac J Clin Nutr 2010; 19 (1):110-116.
  3. Parker et al 2003: Nut consumption and the risk of type 2 diabetes. JAMA 2003; 290: 38-39.
  4. Jiang et al 2002: Nut and peanut butter consumption and the risk of type 2 diabetes in women. JAMA 2002; 288: 2554-60.