Kerniger Schutz vor Diabetes

Weltweit leiden mehr als 400 Millionen Menschen an Diabetes, Experten sprechen bereits von der Zuckerkrankheit als "Seuche des 21.Jahrhunderts". Nicht zuletzt auch deshalb, weil ihre Häufigkeit in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen ist. So litten 1960 noch weniger als ein Prozent der Bundesbürger an Diabetes - heute jedoch liegt die Quote beim Achtfachen dieses Wertes. Kaum eine andere Erkrankung hat in diesem Zeitraum einen ähnlichen "Boom" hingelegt.

Ein Trend, für den neben Bewegungsmangel vor allem die Ernährung unserer Zeit verantwortlich ist. Denn sie enthält zu viel Zucker und Fette, für deren Abtransport aus dem Blut in die Körperzellen die Bauchspeicheldrüse sehr viel Insulin ausschütten muss. Wenn jedoch zu große Mengen davon kursieren, fühlen sich die Körperzellen überrumpelt und machen "zu": Sie lassen immer geringere Mengen des Hormons zu sich herein, so dass Zucker und Fette nicht mehr in ausreichendem Maße aus dem Blut entsorgt werden. Mediziner sprechen dann von "Insulinresistenz" - sie gilt als typischer Vorläufer von Diabetes.

Ernährungswissenschaftlern und Mediziner diskutieren in den letzten Jahren verstärkt, wie sich mit einer modifizierten Ernährung das grassierende Problem der Insulinresistenz entschärfen lässt. Offenbar können Nüsse dabei laut einer aktuellen Studie aus Spanien(1) eine wichtige Rolle spielen.

Das Forscherteam unter Patricia Casas-Agustench vom Universitätshospital Sant Joan in Reus kommt nämlich in seiner Übersichtsarbeit zu dem Schluss: "Nüsse verfügen über ein komplexes Wirkstoffprofil, dass dazu beitragen kann, das Risiko einer Insulinresistenz zu vermindern." Denn sie enthielten neben ungesättigten Fettsäuren zur Stabilisierung des Stoffwechsels auch Substanzen wie Polyphenole, Arginin und Vitamin E, die oxidative und entzündliche Vorgänge im Körper eindämmen. Und von diesen Prozessen weiß man mittlerweile, dass sie in der physiologischen Entstehung der Insulinresistenz eine wesentliche Rolle spielen", erklärt Casas-Agustench. So zeigten beispielsweise Entzündungsmarker wie Interleukin und das C-reaktive Protein einen deutlichen Zusammenhang mit der abnehmenden Bereitschaft der Körperzellen, ihre Schleusen für Insulin zu öffnen.

Auch konkrete Untersuchungen am Menschen verweisen auf einen "Nuss-Schutz" gegenüber Diabetes und Insulinresistenz. In einer spanisch-amerikanischen Studie(2) verabreichte man 65 übergewichtigen Probanden 24 Wochen lang eine Diät aus komplexen Kohlehydraten oder aber eine Diät mit 84 Gramm Mandeln pro Tag. In der Kohlehydratgruppe sank der Insulin-Level um 32, in der Mandelgruppe um 54 Prozent. "Und dementsprechende Unterschiede zeigten sich auch in der Ansprechbarkeit der Körperzellen auf Insulin", so Casas-Agustench. Denn der Körper reagiert umso sensibler auf das Hormon, je weniger davon im Blut kursiert.

Die spanische Ernährungswissenschaftlerin selbst konnte an 50 Patienten mit metabolischem Syndrom zeigen, dass ein täglicher 30-Gramm-Mix aus Walnüssen nicht nur die Insulinsensibilität der Probanden verbesserte(3). Sie verloren in den zwölf Wochen ihrer Diät auch 2,2 Kilogramm an Körpergewicht. Eigentlich erstaunlich, wenn man die hohen Kalorienwerte der Nüsse berücksichtigt. Doch Nüsse machen satt und regen über ihren Einfluss auf das sympathische Nervensystem die Fettverbrennung an. Und diese Abspeckeffekte sind nicht nur ästhetisch erwünscht - sie schützen bekanntlich auch vor Diabetes.

Quellen:
  1. Casas-Agustench P. u.a., "Nuts, inflammation and insulin resistance" Asia Pac Clin Nutr (2010) 19: 124-130
  2. Wien MA u.a., Almonds vs complex carbohydrates in a weight reduction program. Int J Obes Relat Metab Disorder (2003) 27: 1365-72
  3. Casas-Agustench P u.a., "Effects of one serving of mixed nuts on serum lipids, insulin resistance and inflammatory markers in patients with the metabolic syndrome", Nutrition, Metabolism & Cardiovascular Diseases (2009), Dec 21 (Pub ahead of print)