Nüsse und Körpergewicht: 3. Einflüsse auf Energieverbrauch und Bioverfügbarkeit

Bisher hat keine Beobachtungsstudie einen höheren BMI bei denjenigen Menschen dokumentiert, die regelmäßig Nüsse verzehren im Vergleich zu denen, die selten oder nie zu Nüssen greifen. Wurden unter kontrollierten klinischen Bedingungen Nüsse verabreicht, dann zeigte sich keine oder eine deutlich geringere Gewichtszunahme als es die erhöhte Energiezufuhr hätte erwarten lassen. Auch bei einer positiven Energiebilanz betrug die Gewichtszunahme maximal 1/3 dessen, was an Gewichtszunahme erwartet wurde, selbst bei außerordentlich großen Tagesportionen, z. B. 100 Gramm Mandeln täglich(1). Es wird vermutet, dass der hohe Fettanteil nicht komplett absorbiert wird.

Eine klinische Studie überprüfte, inwieweit sich entweder die Integration von 84 g Mandeln täglich oder komplexe Kohlenhydrate auf eine angestrebte Gewichtsreduktion auswirken. Nach 24 Wochen hatten die Teilnehmer der "Mandel-Gruppe" um 18 % an Gewicht verloren, die der Kontrollgruppe nur um 11 %.Der Taillenumfang reduzierte sich um 14 % und die Körperfett- masse um 30 % im Vergleich zu 9 % und 20 % in der Vergleichsgruppe(2).

Obwohl durch Studien noch nicht hinreichend untersucht und belegt scheint der regelmäßige Konsum von Nüssen den Ruheenergieverbrauch zu erhöhen. Beispielsweise bewirkte der Verzehr von Erdnüssen über einen Zeitraum von 19 Wochen in einer kontrollierten Studie eine Erhöhung des Ruheenergie-verbrauchs um 11 %. In einer anderen Erdnuss-Studie konnten diese 11 % nur bei männlichen Probanden verzeichnet werden sowie eine 5 %-ige Steigerung bei adipösen Testpersonen(3). Ein ähnlicher Effekt wird für andere Nüsse vermutet.

Eine eindeutige Erklärung für die Erhöhung des Ruheenergieverbrauchs liegt zum jetzigen Zeitpunkt nicht auf der Hand. Doch da die Ernährung der "Nussesser" ein Nährstoffprofil mit einem hohen Anteil an sowohl ungesättigten Fettsäuren als auch Protein aufweist, könnten Erklärungsansätze in diese Richtung weisen. Protein hat z. B. einen hohen thermogenen Effekt. Wirkungen ergaben sich ausschließlich beim Verzehr von ganzen Nüssen, nicht von Nussöl, -mus oder -mehl(4). Denkbar wäre auch eine langsamere Absorption von energiegebenden Bestandteilen aus den fettreichen Nüssen.

In einer im Jahr 2009 publizierten Untersuchung zur Wirkung von Walnüssen beobachteten die Forscher einen signifikanten Anstieg der postprandialen Thermogenese verglichen mit einer Mahlzeit, die reich an gesättigten Fettsäuren aus Milchprodukten war(5).

Verschiedene Daten deuten darauf hin, dass die Bioverfügbarkeit von Nährstoffen davon abhängt, wie stark ein Nahrungsmittel mechanisch zerkleinert - sprich gekaut - wird. In diesem Zusammenhang versteht sich die Bioverfügbarkeit als Gesamtmenge eines Nährstoffs, der aus einem Lebensmittel vom Körper aufgenommen werden kann. Die Bioverfügbarkeit kann von verschiedenen Faktoren beeinflusst werden, u. a. der Interaktion mit anderen Nährstoffen und der Konsistenz des Lebensmittels.

Bei eher grober Zerkleinerung zu größeren Partikeln werden energieliefernde Nährstoffe, insbesondere Fett, nur unvollständig resorbiert, da die Zellwände nicht vollständig aufgebrochen werden. Bei Mandeln zeigte sich eine höhere Fettausscheidung im Stuhl bei gröberer Partikelgröße. Das könnte bedeuten, dass die Verfügbarkeit von Fett aus Nüssen wesentlich durch den Grad bestimmt wird, zu dem sie zerkaut worden sind(6). Auch der Verzehr von Erdnüssen führte zu einer signifikant höheren Fett-Ausscheidung im Vergleich zu den "Nicht-Nussessern"(4).

Diese Aspekte der Metabolisierbarkeit von Nüssen bedürfen weiterer systematischer Untersuchungen.

Quellen:
  1. Mattes RD, Kris-Etherton PM, Foster GD (2008): Impact of peanuts and tree nuts on body weight and health weight loss in adults. J Nutr; 138: 174-175S
  2. Wien MA et al (2004): Almonds vs. complex carbohydrates in a weight reduction program. Int J Obes Relat Metab Disord; 27: 1365-1372
  3. Alper CM, Mattes RD (2002): The effect of chronic peanut consumption on energy balance and hedonics. Int J Obes; 26: 275-283
  4. Traoret CJ et al (2008): Peanut digestion and energy balance. Int J Obes (2008): Feb, 32(2):322-328
  5. Casas-Agustench P et al (2009): Acute effects of three high fat meals with different fat saturations on energy expenditure, substrate oxidation and satiety. Clin Nutr; 28: 39-45
  6. Cassady B et al (2009): Mastication of almonds: effects of lipid bioaccessibility, appetite, and hormone response. Am J Clin Nutr; 89: 794-800