Schützen Nüsse vor Entzündungsbedingten Erkrankungen?

Die Entzündungsreaktion ist ein wichtiger Teil der körpereigenen Abwehrkräfte, mit deren Hilfe der Körper vor Schädigungen, beispielsweise durch bakterielle Infektionen geschützt werden soll. Im Verlauf der Entzündungsreaktion laufen eine ganze Reihe von Reaktionen ab, die durch sogenannte proinflammatorische Botenstoffe vermittelt werden, so dass die für eine Entzündung typischen Merkmale Rubor, Calor, Tumor und Dolor (Rötung, Wärme, Schwellung und Schmerz) auftreten. Es kann jedoch auch vorkommen, dass die Entzündungsreaktion an der Entstehung von Krankheiten beteiligt ist. Dies ist z.B. bei den chronisch entzündlichen Darmkrankheiten Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa der Fall. Außerdem kommt es bei Übergewicht zu einer vermehrten Freisetzung von proinflammatorischen Botenstoffen aus dem Fettgewebe, so dass eine leichte chronische Entzündung die Folge ist, die an der Entstehung der typischen mit Übergewicht verbundenen Erkrankungen beteiligt ist.

Wichtige Ausgangstoffe für die Biosynthese der Botenstoffe des Immunsystems sind langkettige ungesättigte Fettsäuren, wobei ϖ-3-Fettsäuren für die Biosynthese der antiinflammatorischen Botenstoffe benötigt wird und ϖ-6-Fettsäuren für die proinflammatorischen. Der Verzehr von Lebensmitteln, die viele ϖ-6-Fettsäuren enthalten, gilt darum als entzündungsfördernd und es wird geraten den Verzehr von ϖ-3-Fettsäuren zu steigern, beispielsweise über fetten Seefisch.

Wie auch Fisch enthalten Nüsse viele ungesättigten Fettsäuren. Nüsse enthalten darüber hinaus jedoch noch weitere bioaktive Pflanzenstoffe, die eventuell entzündungshemmend wirken könnten.

Eine neue Studie(1) hat darum untersucht, ob die Aufnahme von ϖ-3/ϖ-6-Fettsäuren Einfluss auf die Häufigkeit der entzündungs- bedingten Todesursachen hat, und ob der Verzehr von Fisch und Nüssen sich präventiv auswirkt. Kardiovaskuläre Erkrankungen und Krebs als Todesursachen wurden ausgeschlossen, um nur Krankheiten zu berücksichtigen, für die gesichert ist, dass eine Infektion oder Entzündungsreaktion Hauptursache der Pathophysiologie ist. Am Anfang der Studie wurden 3654 Probanden, die älter als 49 Jahre waren, untersucht. Die Probanden mussten einen sogenannten Food-Frequency Questionnaire ausfüllen, einen Fragebogen, der Auskunft über die Häufigkeit gibt, mit der bestimmte Lebensmittel verzehrt werden. Die Validierung dieser Methode erfolgte über 4-Tage Wiegeprotokolle. Nach 5 und nach 10 Jahren wurden die Probanden erneut befragt. Da nicht alle Probanden die Fragebögen vollständig ausfüllten, bei einigen keine Todesursache ermittelt werden konnte, oder sie auf Grund der Todesursache Koronare Herzerkrankung oder Krebs ausgeschlossen wurde, konnten letztlich 2514 Probanden in die Studie aufgenommen werden.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass insgesamt bei 8,5% der Todesursachen eine entzündliche Krankheit zu Grunde lag.

Das Studienkollektiv wurde auf Grund des Verzehrs von ϖ-3-Fettsäuren in eine von drei Gruppen eingeteilt (niedrige, mittlere oder hohe Aufnahme). Frauen der Gruppe mit der höchsten Aufnahme an ϖ-3-Fettsäuren hatte ein um 44% niedrigeres Risiko an einer entzündungsbedingten Erkrankung zu sterben als Frauen aus der Gruppe mit der niedrigsten Aufnahme. Bei Männern konnte dieser Effekt nicht gesehen werden.

Nüsse hingegen zeigten einen Einfluss auf die gesamte Kohorte. So kam es hier je nach Verzehrsmenge zu einer Risikoreduktion um 32 bis 51%, wobei schon ein relativ geringer Konsum von Nüssen von 1,4 bis 4,5 g pro Tag zur höchsten Risikoreduktion führte. Keinen Zusammenhang konnten die Forscher dagegen zwischen dem Fischverzehr und den entzündungsbedingten Todesursachen sehen.

Die Forscher gehen darum davon aus, dass die scheinbar protektive Wirkung von Nüssen nicht nur auf die günstige Fettsäuren- zusammensetzung zurückzuführen ist, sondern auch in den anderen bioaktiven Bestandteilen der Nüsse begründet liegt. Beispielsweise enthalten Nüsse verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe, wie Polyphenole, die antioxidativ wirken und zelluläre Signalwege beeinflussen könnten. Des Weiteren enthalten Nüsse viel Magnesium, das eventuell an der entzündungshemmenden Wirkung beteiligt ist. Die Forscher weisen außerdem darauf hin, dass wahrscheinlich nicht ein einzelner Inhaltstoff für die positive Wirkung von Nüssen verantwortlich ist, sondern es auf Grund der besonderen Nährstoffzusammensetzung zu synergistischen Effekten kommt.

Quelle:
  1. Gopinath et al (2011): Consumption of polyunsaturated fatty acids, fish und nuts and risk of inflammatory disease mortality. American Journal of Clinical Nutrition May 2011 ajcn.009977; First published online March 16, 2011. doi:10.3945/ajcn.110.009977