Mit Walnüssen gegen Stress

Der Puls jagt, die Schläfe pocht - unter Stress fühlen wir uns nicht nur unwohl, wir spüren auch instinktiv, dass dieser Zustand ungesund für uns ist. Und in der Tat konnten Wissenschaftler in den letzten Jahren zeigen, dass ständige wiederkehrende Stressreize vor allem das Herz-Kreislauf-System schädigen. Doch laut einer Studie der Penn State University(1) kann man diesen Prozess mit einer Walnuss-Diät offenbar deutlich abdämpfen.

Das US-amerikanische Forscherteam unterzog 22 Testpersonen für jeweils sechs Wochen gleich drei unterschiedlichen Diäten. Eine davon entsprach der US-amerikanischen Durchschnittskost mit relativ vielen tierischen Fetten und einfachen Zuckern, in der zweiten wurden ein Esslöffel Walnussöl und 37 Gramm Walnüsse pro Tag eingebaut und in der dritten Alternative sollten die Probanden zusätzlich noch anderthalb Esslöffel Leinsamenöl verzehren. Wobei darauf geachtet wurde, dass der Kaloriengehalt in allen drei Speiseplänen gleich war und die Öle in Lebensmitteln versteckt wurden, wie etwa in Muffins oder im Salatdressing. Sie wurden also "verblindet", die Testeilnehmer merkten nicht, welches Öl ihnen gerade kredenzt wurde.

Im Anschluss an jede der drei Diäten mussten die Probanden zwei Stress-Situationen durchstehen. In der ersten wurden sie körperlich gefordert: sie sollten ihre Füße für 2,5 Minuten in eiskaltes Wasser stellen. In der zweiten wurde hingegen psychischer Druck aufgebaut. Die Testpersonen sollten nämlich vor mitlaufender Kamera eine dreiminütige Rede zu einem ihnen unbekannten Thema halten, und sie bekamen dafür nur zwei Minuten Vorbereitungszeit. Unter solchen Bedingungen geraten selbst versierte Rhetoriker unter Stress. Während der Prüfungen wurden Blutdruck-messungen durchgeführt, bei zwölf Probanden wurde zudem noch der Blutfluss an der Oberarmarterie erhoben.

Im Ergebnis zeigte sich, dass im Anschluss an die beiden Pflanzenöldiäten der diastolische Blutdruckwert um zwei bis drei mmHg niedriger war als nach dem US-amerikanischen Durchschnittsspeiseplan. Der Blutfluss zeigte sich nach der Walnussdiät um zehn und nach der kombinierten Leinen-Walnusskost sogar um 34 Prozent verbessert. "Ein deutlicher Hinweis darauf", so Studienleiterin Sheila West, "dass wir unserem Körper mit einer Umstellung des Speiseplans dabei helfen können, eine bessere Antwort auf Stress zu finden".

Eine mögliche Erklärung für den Blutdruck senkenden Effekt von Nüssen und Leinsamen sind ihre hohen Anteile an L-Arginin. Denn dieser Stoff ist als Vorläuferverbindung an der Produktion von Stickoxid (NO) beteiligt, das die Erweiterung der Blutgefäße fördert. Möglich wäre aber auch, dass ihre B-Vitamine und ungesättigten Fettsäuren die Funktionsfähigkeit der Nervenzellen und ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Stress verbessern. Die biochemischen Hintergründe zu klären, erläutert West, sei die Aufgabe weiterer Studien.

Insgesamt war die Stressdämpfung und Entspannung der Blutgefäße nach der Walnuss- und Leinendiät etwas besser als nach der bloßen Walnussdiät. "Dies bedeutet jedoch nicht, dass Leinsamenöl allein auch schon diesen Effekt zustande bringen kann", betont die Bio-Psychologin. Dass dies Walnüsse und ihr Öl hingegen könnten, sei durch die Studie hinreichend belegt. Am besten ist es aber wohl ohnehin, dass man unterschiedliche Nüsse und Samen immer wieder miteinander mischt. Denn Ernährungswissenschaftler sind sich mittlerweile darüber einig, dass man auch in der Zufuhr ungesättigter Fette nicht einseitig auf ein Pferd setzen sollte.

Quelle:
  1. Penn State. "Walnuts, walnut oil, improve reaction to stress." ScienceDaily, 4 Oct. 2010. Web. 5 May 2011; Eine detaillierte Zusammenfassung der Studie gibt es unter www.nowfoods.com/BasicArticles/080733.htm