Keine Chance für ranziges Cholesterin

Aktuelle Studie belegt antioxidative Wirkung von Pistazien

Zu den Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems kursieren ziemlich viele Halbwahrheiten. So hält sich hartnäckig die Vorstellung von der "Arterienverkalkung", wonach die Blutgefäßwände durch Cholesterinablagerungen immer dicker und unflexibler werden, so dass am Ende das Blut nicht mehr richtig durch die betroffene Ader fließen kann. Wahr daran ist, dass Cholesterin als Fettverbindung tatsächlich an dieser Blockade beteiligt ist. Doch eigentlich wird es vor allem deshalb zum Problem, weil es oxidiert, weil es also von aggressiven freien Radikalen attackiert und dadurch im wahrsten Sinne ranzig wird. So wie eben ranzige Butter rissig und bröckelig wird und sich auch nicht mehr ohne weiteres streichen lässt, so ähnlich muss man sich auch das oxidierte Cholesterin in den Blutgefäßen vorstellen: Es wird unflexibel, was die Beweglichkeit der Blutgefäßwände einschränkt, und bekommt Risse, was die Blutplättchen zur Ausbildung von Klumpen bzw. Thromben anregt, an denen der Blutfluss kaum noch vorbei kommt. Es droht am Ende der Infarkt oder Schlaganfall. Doch man kann sie verhindern, indem man die Oxidationen an den Blutgefäßwänden unterbindet - und Pistazien können dazu einen wichtigen Beitrag leisten.

So ist schon länger bekannt, dass Pistazien mit Polyphenolen, Lutein, Beta-Carotin und Vitamin E über sehr potente Radikalefänger in großen Mengen verfügen. Ob sich das freilich konkret auf den oxidativen Stress in den Blutgefäßen auswirkt, ist bisher noch nicht geklärt worden. Doch diese Wissenslücke füllte nun eine Studie unter Leitung von Colin Kay von der englischen University of East Anglia(1).

Die Wissenschaftler überprüften die antioxidative Wirkung von drei unterschiedlichen Diäten auf 28 Patienten mit erhöhtem Cholesterinspiegel. Die erste Kost bestand aus einer Low-Fat-Diät (25 % Fett) ohne Pistazien, die zweite Kostform enthielt zwar fünf Prozent mehr Fett, dafür aber auch 10 Prozent mehr Pistazien, und die dritte schließlich hatte noch einmal vier Prozent mehr Fett und 10 Prozent mehr Pistazien. Die einzelnen - kalorienmäßig gleichwertigen - Diäten dauerten vier Wochen, und die Testeilnehmer mussten alle drei Diäten durchführen, wobei die Reihenfolge nach dem Zufallsprinzip ermittelt wurde. Solch einen Versuchsaufbau bezeichnet man in der in der Medizin als Crossover-Design. Sein Zweck: Es soll ausschließen, dass die Ergebnisse mehr mit den Personen als mit ihrer Kost zu tun haben.

Die Ergebnisse waren eindeutig: Die Pistazien-Gruppen hatte im Blut deutlich höhere Werte an Carotinoiden und Vitamin E. Ihre Werte an LDL-Cholesterin (Low Density Lipoprotein, diese Variante gilt als besonders gefährlich!) waren hingegen deutlich niedriger als unter Low-Fat-Diät, und zwar um durchschnittlich 42 Prozent. Der Anteil an oxidiertem Cholesterin sank ebenfalls, und zwar um 35 Prozent. "Pistazien können also durchaus als Basis einer herzgesunden Diät angesehen werden", resümiert Studienleiter Kay.

Einen Abstrich an Lebensqualität, wie es sonst bei vielen Diäten der Fall ist, muss man bei einer "Pistazienkur" nicht befürchten. Denn Pistazien sorgen aufgrund ihrer ungesättigten Fette und hochwertigen Eiweiße für einen hohen Sättigungsgrad. Zudem lassen sie sich relativ leicht in den Alltag integrieren. Beispielsweise als Knabberei während der Zug- oder Autobahnfahrt.

Quelle:
  1. Kay C u.a., "Pistachios increase serum Antioxidants and lower Serum oxidzed-LDL in Hypercholesterolemic Adults", J Nutr 2010, 140 (6): 1093-98