Kalorienärmer snacken: Pistazienschalen als "Beweismittel"

Obwohl die unterschiedlichsten Diäten einen lang anhaltenden Abnehmerfolg versprechen, fällt es vielen Menschen mit Gewichtsproblemen schwer, ihr Essverhalten dergestalt zu verändern, dass ihre Ernährung sowohl ausgewogen als auch ihrem Energiebedarf und ihren persönlichen Vorlieben angepasst ist. Häufig werden zudem größere Portionen verzehrt, als es für ein gutes Sättigungsgefühl tatsächlich nötig wäre.

Schon in früheren Untersuchungen hatte sich gezeigt, dass sich die unterschiedlichsten Faktoren auf die Verzehrsmenge auswirken, wie z. B. die Größe des Essgeschirres. Von größeren Tellern werden auch größere Portionen verzehrt, ebenso wie aus größeren Gläsern mehr Alkohol getrunken wird. Ein Experiment mit Suppenschüsseln, die sich für den Probanden nicht sichtbar nachfüllten, erbrachte bereits vor Jahren den Hinweis, dass nicht unbedingt die Magenfülle über das Sättigungsgefühl entscheidet, sondern dass die Augen ermessen, wie viele Kalorien bereits verzehrt wurden. Die Probanden aßen 73 % mehr Suppe, fühlten sich danach aber nicht mehr gesättigt als diejenigen, die aus normalen Suppenschüsseln gegessen hatten(1).

Eine Gruppe von amerikanischen Ernährungs- und Verhaltensforschern hatte kürzlich untersucht, ob Probanden weniger Pistazien verzehren, wenn die leeren Pistazienschalen in Sichtweite verbleiben(2). 118 Probanden konnten ungeschälte Pistazien als Snack an ihrem Schreibtisch im Rahmen eines 8-Stunden-Tages in unbegrenzter Anzahl verzehren. Dazu erhielten sie lediglich die Information, dass sie an einem Geschmackstest zu verschiedenen Marken teilnehmen würden.

Jeder Tag begann mit einer umgerechnet 454 Gramm fassenden Schüssel, die mit 113 Gramm ungeschälten Pistazien gefüllt war. In einem zweiten gleich großen Gefäß konnten die Studienteilnehmer die Schalen der verzehrten Pistazien ablegen. Alle 2 Stunden wurden Pistazien in 57-Gramm-Schritten nachgefüllt.

Nun gab es zwei Varianten:

  1. Die Pistazienschalen wurden den Tag über sichtbar gesammelt.
  2. Die Gefäße mit den Pistazienschalen wurden alle 2 Stunden geleert.

Im ersten Fall nahmen die Probanden durchschnittlich 216 kcal in Form von Pistazien zu sich, im zweiten nahmen sie mit 264 Kcal zusätzliche 48 kcal und damit 22 % mehr Energie auf. Die Teilnehmer beider Gruppen waren mit den Portionsgrößen gleichermaßen zufrieden und fühlten sich gesättigt.

Werden Pistazienschalen als Hinweis auf den Verzehr sichtbar liegengelassen, dann könnte dies also dazu beitragen, weniger Energie aufzunehmen. Konsumenten könnten sich bewusster werden, welchen Einfluss visuelle Komponenten auf ihren Gesamtverzehr ausüben, denn zurückbleibende Schalen bringen auch optisch das "Snacken" in Erinnerung.

Quellen:
  1. Wansink B, Painter JE, North J (2005): bottomless bowls: why visual cues of portion size may influence intake. Obes Res; Jan 13 (1): 93-100
  2. Kennedy-Hagan K, Painter J E, Honselman C, et al (2011): the effect of pistachio shells as a visual cue in reducing caloric consumption. Appetite; Oct, 57 (2): 418-420