Die Wirkung der Haselnüsse: gemahlen, geschnitten oder ganz?

Es ist bekannt, dass eine nussreiche Ernährung das Cholesterin reduziert, wahrscheinlich aufgrund der günstigen Fettzusammensetzung und anderen bioaktiven Komponenten von Nüssen. Aber trifft dieses für die unterschiedlichen Nussformen (gemahlen, geschnitten und ganz) gleichermaßen zu?

Studien haben gezeigt, dass durch den Verzehr von ganzen Nüssen die Ausscheidung von Fett ansteigt(1,2,3). Ist die Bioverfügbarkeit der bioaktiven Komponenten also vielleicht abhängig von der Nussform?

Dieser Frage gingen die Wissenschaftler um S.L. Brown aus Neuseeland nach(4). Sie untersuchten die Wirkung unterschiedlicher Haselnussformen auf die Blutlipide und Vitamin E-Konzentration im Blut in einer randomisierten Cross-Over Studie.

Vitamin E ist eine Sammelbezeichnung von Subtanzen mit unterschiedlich starker Wirkung, welche aus einem Chromanringsystem mit einer isoprenoiden Seitenkette bestehen. Dieses fettlösliche Vitamin kann nur von Pflanzen gebildet werden, so dass der Mensch das Vitamin E mit der Nahrung zu sich nehmen muss. Das wichtigste Vitamin E ist das RRR ? Tocopherol, da es die stärkste biologische Wirkung besitzt. Man sollte auch nicht unbeachtet lassen, dass das Vitamin E in seiner natürlichen Form, als RRR-?-Tocopherol, eine stärkere biologische Wirkung hat, als synthetisch hergestelltes Vitamin E. Als wichtiges Antioxidans schützt das Vitamin E u.a. Fette, biologische Membranen und Vitamin A vor der Schädigung durch Sauerstoffradikale. Laut der Nationalen Verzehrstudie II erreichen ungefähr die Hälfte der Männer und Frauen in Deutschland die empfohlene tägliche Vitamin E-Zufuhr (D-A-CH-Referenzwerte) nicht(5,6,7).

An der Studie, zu den verschiedenen Haselnussformen, nahmen 48 Probanden im Alter von 25 bis 64 Jahren teil, die an einem schwach erhöhten Cholesterinspiegel litten. Alle Teilnehmer aßen vier Wochen lang eine der drei Haselnussformen. Während der anschließenden Auswaschphase von zwei Wochen wurden sie gebeten weder Haselnüsse noch andere Nüsse zu verzehren. Nach der Auswaschphase folgte eine weitere Interventionsphase von vier Wochen, während der die Teilnehmer eine andere Haselnussform aßen. Diese Vorgehensweise wurde solange wiederholt, bis alle Teilnehmer alle der drei Haselnussformen (gemahlen, geschnitten und ganz) verzehrt hatten.

Es ließen sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den einzelnen Haselnussformen feststellen. Jedoch zeigte sich, dass das HDL und Vitamin E im Blut am Ende jeder Interventionsphase im Vergleich zum Beginn der Interventionsphase höher waren. Die Triglyceride und das LDL sanken signifikant. Gleichzeitig gab es keine Unterschiede im Körpergewicht.

Bei Menschen mit einer schwachen Hypercholesterinämie verbessert der Verzehr der drei unterschiedlichen Haselnussformen gleichermaßen das Fettprofil und die Vitamin E-Konzentration.

So kamen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass Haselnüsse, egal ob gemahlen, geschnitten oder ganz, als Mittel zur Reduzierung des Risikos von kardiovaskulären Erkrankungen in die normale Ernährung integriert werden können.

Quellen:
  1. Ellis PR, Kendall CWC, Ren Y, Parker C, Pacy JF, Waldron KW, Jenkins DJ (2004) "Role of cell walls in the bioaccessibility of lipids in almond seeds.” American Journal of Clinical Nutrition, 80, 604-613
  2. Hollis J, Mattes R (2007) “Effect of chronic consumption of almonds on body weight in healthy humans.” British Journal of Nutrition, 98, 651-656
  3. Traoret CJ, Lokko P, Cruz AC, Oliveira CG, Costa NM, Bressan J, Alfenas RC, Mattes RD “Peanut digestion and energy balance.” International Journal of Obesity, 32, 322-328
  4. Tey SL, Brown RC, Chisholm AW, Delahunty CM, Gray AR, Williams SM (2010) „Effects of different forms of hazelnuts on blood lipids and α-tocopherol concentrations in mildly hypercholesterolemic individuals.” European Journal of Clinical Nutrition, Sept 29, 1-8
  5. Biesalski, H.K. et al. (2004) „Ernährungsmedizin. Nach dem Curriculum Ernährungsmedizin der Bundesärztekammer“ Thieme Verlag, Stuttgart, 3. Auflage
  6. Kasper H., Burghardt W. (2009) „Ernährungsmedizin und Diätetik“ Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH; Auflage: 11
  7. Max Rubner-Institut Karlsruhe (2008) „Nationale Verzehrsstudie II. Ergebnisbericht, Teil 2“ www.was-esse-ich.de/uploads/media/NVSII_Abschlussbericht_Teil_2.pdf