Schon Ötzis Zeitgenossen liebten es kernig

Nüsse bereicherten die Weltgeschichte nicht nur kulinarisch, sondern auch medizinisch

Kaum ein Nahrungsmittel des Menschen hat eine solch lange Geschichte wie die Nuss. Sie stand schon auf steinzeitlichen Speiseplänen, und auch Ägypter, Römer und Griechen wollten nicht auf sie verzichten. Und dabei hatte man, wie jetzt spanische Wissenschaftler in einer Studie ausgearbeitet haben(1), auch gesundheitliche Aspekte im Auge.

Die frühsten Spuren des menschlichen Nussverzehrs finden sich auf den Hebriden-Inseln vor der Nordwestküste Schottlands. Ihr Alter wird auf knapp 9000 Jahre datiert, und es handelt sich dabei um Tausende von gerösteten Haselnussschalen. Ob die Früchte von den Menschen dort selbst angebaut und geröstet wurden, ist unklar, möglich ist auch, dass sie über den Handel auf die feucht-kalten Inseln gekommen sind. Doch Tatsache bleibt, dass der Homo sapiens schon in der Mittelsteinzeit die Nüsse nicht nur einfach sammelte, sondern auch zubereitete - in einer Epoche also, in der der berühmte Ötzi durch die Alpen kletterte.

Einige hunderte Kilometer südwestlich, an Frankreichs und Spaniens Mittelmeerküste, knabberte man derweil an Pinienkernen, während man sich in Persien und Ägypten bereits mit der Kultivierung von Mandel- und Walnussbäumen beschäftigte. In der griechischen und römischen Antike verfeinerte man dann die Kunst des Nussanbaus, mit dessen Erträgen man allerdings nicht nur die Küche, sondern auch die Medizin erweitern wollte. "Die Walnuss etwa galt als magen- und verdauungsstärkend", erklärt Ernährungswissenschaftler Jordi Salas-Salvado von der Universität Rovira i Virgili im spanischen Reus. Der antike Apotheker und Arzt Herakleides, ein Vorbereiter der modernen empirischen Medizin, empfahl den Verzehr von Walnüssen zum Beginn einer Mahlzeit, "zur Anregung von Appetit und Verdauung".

Sein Arztkollege Dioskurides setzte demgegenüber auf Haselnüsse zur Behandlung von Erkältungen und Haarausfall, und auch der berühmte Hippokrates hatte eine Nuss in seinem Arzneimittel-Repertoire: die Mandel. Er hielt sie für einen Hitzespender, die - entsprechend der damaligen Lehre, wonach man Krankheiten mit ihrem Gegenteil behandeln sollte - zur Therapie von Schnupfen, Husten und anderen typischen Erkrankungen der kalten Jahreszeit geeignet sei. Und Hippokrates verwendete sie auch zur Behandlung von Lethargie und Antriebsschwäche, die er als eine Art Gefrierbrand der Seele verstand. Solche Theorien wirken natürlich aus heutiger Sicht überholt und unwissenschaftlich. Doch einige der antiken "Nuss-Therapien" sind aktueller, als man glaubt. So verwendeten Assyrer und Griechen die Pistazie als Potenzmittel - und türkischen Wissenschaftlern gelang es jetzt tatsächlich, die erektilen Funktionen von Männern zu verbessern, indem sie ihnen 100 Gramm Pistazien täglich kredenzten(2). Studienleiter Mustafa Aldemir vermutet, dass die Pistaziendiät diesen Effekt über ihren positiven Einfluss auf die Blutfettwerte und Spannung der Blutgefäße erzielte.

Die Walnuss schließlich wurde im antiken Griechenland als Adstringens zur Behandlung von Rachenentzündungen und nässenden Hautausschlägen verwendet - und auch diese Anwendung ist aus heutiger Sicht durchaus nachvollziehbar. Amerikanische Wissenschaftler(3) fanden nämlich in Wal- und Pekannuss ähnliche Polyphenolwerte wie in Rotwein und grünem Tee - und Polyphenole wurden noch vor wenigen Jahren, aufgrund ihrer adstringierenden Effekte, als "Gerbsäuren" bezeichnet.

Quellen:
  1. Salas-Salvado, J, "Cultural and historical aspects of Mediterranean nuts with emphasis on their attributed healthy and nutritional properties", Nutrition, Metabolism & Cardiovascular Diseases (2011) 21: S1-S6
  2. Aldemir M u.a., "Pistachio diet improves erectile function parameters and serum lipid profiles in patients with erectile dysfunction", International Journal of Impotence Research (2011), 23: 32ff
  3. Bolling B u.a., "The phytochemical composition and antioxidant actions of tree nuts", Asia Pac J Clin Nutr (2010) 19: 117ff