Die Haselnuss

Botanik

Die Haselnuss gehört zur Familie der Birkengewächse (Betulaceae)(2). Der Haselnussstrauch ist eine einhäusige Strauchpflanze und gedeiht gut in den gemäßigten Klimazonen. Er wird bis zu 5m hoch und bildet rundliche, ovale oder herzförmige Blätter aus. Die männlichen Blütenstände (Kätzchen) werden 10cm lang. Die weiblichen Blüten sind in Knospen eingeschlossene rote Narbenbüschel. Erst Wochen später folgt über Windbestäubung die Befruchtung und bis zum Herbst die Entwicklung der Nüsse.

Die Haselnüsse reifen in Gruppen von jeweils zwei bis drei Nüssen heran. Jede Nuss ist teilweise von einer blattartigen becherförmigen Hülle (Cupula) überzogen. Diese muss zuerst entfernt werden, bevor man die Schale aufbrechen kann(1).

Botanisch gesehen ist die Haselnuss neben der Marone eine der wenigen echten Nüsse, da sie ein vollständig verholztes Perikarp aufweist. Walnuss, Mandel und Kokosnuss zählen dagegen zu den Steinfrüchten. Sie haben aber eines gemeinsam: die als gesundheitsfördernd geltenden Inhaltsstoffe.

© Rosengarten
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Geschichte

Die Haselnuss gilt als die älteste bei uns beheimatete Obstart. Sie war bereits in der Steinzeit ein wichtiges Nahrungsmittel. Dies prägte den Namen "Haselzeit", der für die entwicklungsgeschichtlich höchste Kulturstufe der Steinzeit steht. Einige versteinerte Funde von Haselnüssen werden bis in die Jahre 8000 - 5500 v. Chr. zurück datiert.

Der griechische Heerführer Xenophon berichtete um 400 v. Chr. von einer kleinen Nuss aus Nordanatolien, die er Pontus Nut nannte. Theophratus (372-287 v.Chr.) erläuterte eine Methode, nach der man die Pontus Nut kultivieren konnte. Plinius (23-79 n.Chr.) berichtete in seinem Werk Historia Naturalis, dass die Haselnuss von der Schwarzmeerküste (Pontus Euxinius) nach Italien gebracht wurde und als Ponticae Nuces oder Nux Pontica bezeichnet wurde.

Anbaugebiete

Die Hauptanbaugebiete sind die Türkei, Italien, Spanien, USA und der Kaukasus (Georgien und Azerbaijan).

Ernte

Die Erntezeit variiert je nach Anbaugebiet. Die Früchte reifen in der Türkei ab Ende Juli bis Anfang August, in den übrigen Anbaugebieten ab September bzw. Oktober. Die Nüsse werden entweder maschinell geerntet oder von Hand gepflückt und anschließend getrocknet(2).

© Rosengarten
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© Progida
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Handelsformen

Haselnüsse werden ungeschält, geschält, gehackt, gemahlen, geröstet, ungeröstet, und in Form von Paste angeboten. Hellhäutige Nusskerne deuten auf eine neue Ernte hin. Haselnüsse finden vornehmlich in der Schokoladenindustrie Verwendung, aber auch als Backzutat, in Müslis, Gebäck, Eis oder einfach zum Knabbern.

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Gesundheit

Bedingt durch den Fettgehalt von ca. 60% enthalten 100g Haselnüsse zwischen 600-700 kcal. Drei Viertel der Fettsäuren sind einfach ungesättigt, weitere 20 % mehrfach ungesättigt. Durch dieses günstige Verhältnis von einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren können die Blutfettwerte günstig beeinflusst werden(3). Zahlreiche Studien belegen, dass regelmäßiger Nussverzehr den Cholesterinspiegel deutlich senken und damit das Risiko für arteriosklerotische Erkrankungen mindern kann. Im Durchschnitt wurde eine Senkung des LDL- Cholesterinspiegels um etwa 10% erreicht(3).

Des Weiteren enthalten Haselnüsse mit 26,3mg/100g einen hohen Anteil an Vitamin E. Dieses Vitamin schützt vor freien Radikalen und übt zusammen mit Carotinen eine positive Wirkung auf Herz-Kreislauferkrankungen aus. Außerdem liefern Haselnüsse hohe Mengen an B-Vitaminen, die als Coenzyme im Energiestoffwechsel und bei der Reizübertragung im zentralen und peripheren Nervensystem benötigt werden.

Biotin ist mit 35mg/100g ebenfalls in Haselnüssen reichlich enthalten. Es ist am Aminosäurestoffwechsel beteiligt und Bestandteil vieler Enzyme (Carboxylasen). Ein Biotinmangel führt zu Hautveränderungen und brüchigen Fingernägeln(4).

Zu den weiteren günstig zu bewertenden Inhaltsstoffen von Haselnüssen zählen, pflanzliches Protein, Folsäure, Magnesium, Kalium, Kupfer und Ballaststoffe(3). Folsäure ist für die Zellteilung und das Wachstum von Bedeutung. Vor allem sollte während und vor einer Schwangerschaft auf eine ausreichende Folsäurezufuhr geachtet werden. Die Mineralstoffe Magnesium und Kalium sind für die Muskeltätigkeit und die Reizübertragung im Nervensystem unerlässlich(4).

Des Weiteren sorgt der hohe Ballaststoffgehalt für eine gute Verdauung. Diese positiven Effekte werden bereits mit einem Nussverzehr von 100g/Woche erreicht. Dabei muss keine Gewichtszunahme befürchtet werden. Verteilt auf 4-5 Portionen (à 22,5g) wurde in Studien keine Zunahme des Körpergewichts festgestellt(5).

Energie- und Nährstoffgehalt

Haselnuss (Angaben pro 100 g essbarem Anteil)

Bestandteil Einheit Menge
Energiegehalt kcal 644
ENERGIE LIEFERNDE NÄHRSTOFFE, BALLASTSTOFFE
Gesamtfett g 61,6
Gesättigte Fettsäuren (SFA) g 4,46*
Einfach ungesättigte Fettsäuren (MUFA) g 47,8*
Mehrfach ungesättigte Fettsäuren (PUFA) g 6,46*
Linolsäure g 8,5
Linolensäure mg 109
Eiweiß g 14,1
Kohlenhydrate g 10,5
Ballaststoffe g 8,22
MINERALSTOFFE INKLUSIVE DER SPURENELEMENTE
Natrium mg 2
Kalium mg 636
Magnesium mg 156
Calcium mg 226
Mangan mg 5,7
Eisen mg  3,8
Kupfer mg 1,3
Zink mg 1,9
Phosphor mg 333
Chlorid mg 10
Fluorid μg 17
Jodid μg 1,5
Selen μg 4,5
VITAMINE
Retinoläquivalent μg 4,8
Gesamtcarotinoide μg 29
Beta-Carotin μg 29
Gesamttocopherol mg 28
Vitamin K μg 9
Vitamin B1 μg 390
Vitamin B2 μg 210
Nicotinamid/Niacin mg 1,4
Pantothensäure μg 1100
Vitamin B6 mg 0,31
Folsäure μg 71
Biotin μg 39*
Vitamin C mg 3
BIOAKTIVE PFLANZENSTOFFE (AUSWAHL)
Gesamtphytosterine mg k. A.
Stigmasterin mg k. A.
Campesterin mg k. A.
ß-Sitosterin mg k. A.
Erläuterung:

k.A.: Keine Angabe. Zahlen gerundet bis 2 Stellen nach dem Komma, sofern vorhanden. Kursiv: herausragende Werte.

Quellen:

Deutsche Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie (Hrsg.): Souci-Fachmann-Kraut. Die Zusammensetzung der Lebensmittel.
Nährwerttabellen.
Medpharm Online Datenbank 2009
* Bundeslebensmittelschlüssel. Version II.3

Literatur:

  1. Franke W.; Nutzpflanzenkunde Thieme Verlag 4. Auflage, 1989 S.250
  2. Weber M,; Trockenfrüchte und Nüsse Südwest-Verlag 1999, S.74
  3. Brehme U.; Stellenwert von Nüssen in der Ernährung für die Prävention von Herz-Kreislauferkrankungen; Ernährungsumschau 49 (2002) Heft 2 S. 44f
  4. Biesalski H.K., Fürst P., Kasper H., Kluthe R., Pölert W., Puchstein Ch., Stähelin H. B.; Ernährungsmedizin Thieme Verlag1999, 1. Auflage S.68, 155f, 161, 163
  5. Garcia-Lorda P., Megias Rangil M., Salas-Salvado J.; Nut Consumption, body weight and insulin resistance; European Journal of Clinical Nutrition 57 (2003), S8-11