Die Erdnuss

Botanik

Die Erdnusspflanze gehört zur Familie der Hülsenfrüchte ( Leguminosen; "peanuts"). Da ihre Hülse bei der Reifung geschlossen bleibt wird sie morphologisch zu den Nüssen gezählt(3). Nachdem die Blüte befruchtet ist neigen sich die Fruchtknoten an ihren langen Blütenstielen dem Erdboden zu, dringen einige Zentimeter in die Erde hinein und entwickeln sich in einigen Monaten unter der Erde (engl. "Groundnut") zur Frucht, der Erdnuss. Von der Aussaat bis zur Ernte vergehen etwa 4-5 Monate. Während dieser Zeit müssen die Früchte vollständig vom Licht abgeschirmt sein(3). In der Erdnussschote befinden sich je nach Sorte 2-4 Kerne. Sie sind rund bis länglich und von einer hell- bis dunkelroten oder einer braunvioletten Haut umgeben(1).

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Anbaugebiete

Hauptanbauländer sind China, Indien, USA, Argentinien, Afrika, Indonesien, Brasilien und Zentralamerika.

Ernte

Die Erntezeit ist abhängig von der geographischen Breite. In der nördlichen Hemisphäre wird im Herbst geerntet, auf der südlichen Halbkugel bereits ab April. In Indien schafft man es auf zwei Ernten im Jahr. Die Ernte erfolgt mit großen Spezialmaschinen. Nach zwei bis drei Tagen Trocknung werden die Erdnussschoten vom Kraut getrennt und einer weiteren Trocknung unterzogen.

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Geschichte

Die Erdnuss stammt ursprünglich aus Brasilien oder Peru. Wissenschaftler gehen davon aus, dass es wild wachsende Erdnüsse bereits 1200 -1500 v. Chr. in weiten Teilen Südamerikas gab. Nach Bräuchen zufolge gaben die Ureinwohner Perus ihren Verstorbenen Lebensmittel mit auf den Weg ins Jenseits. Dies bestätigen versteinerte Funde von Erdnüssen, die von Archäologen an der Küste Perus in 3500 Jahre alten Fürstengräbern entdeckt wurden. Später brachten spanische und portugiesische Eroberer die Pflanze nach Europa und von dort nach Afrika und in den Fernen Osten. Dem Sklavenhandel folgte die Erdnuss von Westafrika zurück über den Atlantik in die USA, wo sie schon im 18. Jahrhundert angebaut wurde. Sie galt lange als Tierfutter oder Nahrung für arme Leute und war darum verpönt. Erst im 20. Jahrhundert wurde sie neben der Baumwolle eine der wichtigsten Nutzpflanzen der südlichen US-Staaten(2). Aber auch in Afrika, China, Indien, Java, Japan, im Westpazifik und auf Madagaskar fand die "himmlische Speise" der Inkas eine neue Heimat.

Gesundheit

Erdnüsse liefern 561kcal/100g und sind im Vergleich zu anderen Nüssen relativ "energiearm". Der Gesamtfettgehalt beträgt 48g, der sich überwiegend aus einfach (49%) und mehrfach (29%) ungesättigten Fettsäuren zusammensetzt. Dieses Fettsäureverhältnis kann zu einer Senkung des Gesamt- und des LDL-Cholesterinspiegels beitragen(6). Es wird außerdem vermutet, dass die ungesättigten Fettsäuren die Cholesterinsynthese hemmen und dadurch vor der Bildung von Cholesterin-Gallensteinen schützen(7). Erdnüsse besitzen mit 26g den höchsten Proteingehalt unter den Nüssen und ergänzen damit auch eine vegetarische Lebensweise mit hochwertigem pflanzlichem Eiweiß. L-Arginin, eine Aminosäure die zur Gesunderhaltung der Gefäße beiträgt, kommt mit 3,2g/100g in beachtlichen Mengen vor. L-Arginin kann dabei die Thrombozytenaggregation und Leukozytenadhäsion an der Gefäßwand sowie die Proliferation von Zellen der glatten Muskulatur hemmen(4). Darüber hinaus sind Erdnüsse reich an Vitamin B1, B2, B6, Vitamin E und Folsäure. B-Vitamine sind am Kohlenhydratstoffwechsel beteiligt und werden zur Reizweiterleitung im Nervensystem benötigt. Vitamin E ist ein wichtiges Antioxidanz und schützt die ungesättigten Fettsäuren vor Oxidation. Die in den Erdnüssen enthaltene Folsäure ist am Wachstum und an der Zellteilung beteiligt und besonders wichtig vor und während einer Schwangerschaft. Des Weiteren sind Erdnüsse reich an den Mineralstoffen Magnesium und Kalium. Magnesium dient zur Aktivierung von Enzymen und ist für die Muskeltätigkeit und bei der Reizübertragung im Nervensystem unentbehrlich. Eine der wichtigsten physiologischen Funktionen des Kaliums ist die Aufrechterhaltung des Membranpotenzials. Störungen im Kaliumhaushalt beeinflussen daher die neuromuskuläre Erregbarkeit und können unter anderem zu Herzrhythmusstörungen führen(5). Mit 10,9g/100g sind Erdnüsse gute Ballaststofflieferanten, die für eine gute Verdauung sorgen.

Handelsformen

Erdnüsse kommen nur geröstet in den Handel. Die Röstung dient nicht nur zur Verbesserung des Geschmacks und der Haltbarkeit sondern auch zur Beseitigung von Bitterstoffen. Erdnüsse werden in der Schale, als Kerne mit Häutchen, in blanchierter Form sowie geröstet und gehackt angeboten. Sie sind besonders beliebt als geröstet und gesalzener Snack, in Form von Flips und in Riegeln. Des Weiteren bietet sie der Handel auch karamellisiert, mit Schokolade überzogen, in Schokoladentafeln, auf Keksen, in Müslis und Gebäck an. In den USA, Holland und Südafrika findet Erdnussbutter großen Anklang. Im asiatischen Raum werden Erdnüsse zu einem großen Anteil zu Speiseöl verarbeitet.

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Energie- und Nährstoffgehalt

Erdnuss (Angaben pro 100 g essbarem Anteil)

Bestandteil Einheit Menge
Energiegehalt kcal 564
ENERGIE LIEFERNDE NÄHRSTOFFE, BALLASTSTOFFE
Gesamtfett g 48,1
Gesättigte Fettsäuren (SFA) g 8,78*
Einfach ungesättigte Fettsäuren (MUFA) g 23,5*
Mehrfach ungesättigte Fettsäuren (PUFA) g 13,7*
Linolsäure g 13,9
Linolensäure mg 530
Eiweiß g 29,8
Kohlenhydrate g 7,48
Ballaststoffe g 11,7
MINERALSTOFFE INKLUSIVE DER SPURENELEMENTE
Natrium mg 11
Kalium mg 660
Magnesium mg 160
Calcium mg 41
Mangan mg 1,6
Eisen mg  1,8
Kupfer mg 0,77
Zink mg 2,8
Phosphor mg 340
Chlorid mg 7
Fluorid μg 130
Jodid μg 13
Selen μg 5,7
VITAMINE
Retinoläquivalent μg 0,333
Gesamtcarotinoide μg 2
Beta-Carotin μg 2
Gesamttocopherol mg 19
Vitamin K μg 1*
Vitamin B1 μg 900
Vitamin B2 μg 155
Nicotinamid/Niacin mg 15
Pantothensäure μg 2900
Vitamin B6 mg 0,44
Folsäure μg 169
Biotin μg 34
Vitamin C mg k. A.
BIOAKTIVE PFLANZENSTOFFE (AUSWAHL)
Gesamtphytosterine mg 220
Stigmasterin mg 23
Campesterin mg 24
ß-Sitosterin mg 142
Erläuterung:

k.A.: Keine Angabe. Zahlen gerundet bis 2 Stellen nach dem Komma, sofern vorhanden. Kursiv: herausragende Werte.

Quellen:

Deutsche Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie (Hrsg.): Souci-Fachmann-Kraut. Die Zusammensetzung der Lebensmittel.
Nährwerttabellen.
Medpharm Online Datenbank 2009
* Bundeslebensmittelschlüssel. Version II.3

Literatur:

  1. Weber M.; Trockenfrüchte und Nüsse Südwest-Verlag 1999, S.68f
  2. Trueb L.; Früchte und Nüsse aus aller Welt, Hirzel Verlag Stuttgart, Leipzig 1999, S.211f
  3. Franke W.; Nutzpflanzenkunde Thieme Verlag 4. Auflage, 1989 S.169f
  4. Brehme U.; Stellenwert von Nüssen in der Ernährung für die Prävention von Herz-Kreislauferkrankungen; Ernährungsumschau 49(2002) Heft 2 S. 44f
  5. Biesalski H.K., Fürst P., Kasper H., Kluthe R., Pölert W., Puchstein Ch., Stähelin H. B.; Ernährungsmedizin Thieme Verlag1999, 1. Auflage S.68, 150f, 161, 163
  6. Kris-Etherton P.M., Pearson T.A., Wan Y., hargrove R.L., Moriarty K., Fishell V., Etherton T.D.; High-monosaturated fatty acid diets lower both plasma and cholesterol and triacylglycerol concentrations. American Journal of Clinical Nutrition 70, (2000) S1009-1115
  7. Tsai C.-J., Leitzmann M., Hu F., Willet W., Giovannucci E.; Frequent nut consumption and decreased risk of cholecystectomy in woman. American Journal of Clinical Nutrition 80, (2004) S76-81