Nüsse helfen bei fortgeschrittenem Darmkrebs

Fortgeschrittener Darmkrebs (Stadium III) beschränkt sich nicht nur auf den Dickdarm, er breitet sich auch in die benachbarten Lymphknoten aus. Damit steigt die Gefahr, dass der Tumor Tochtergeschwülste (Metastasen) in anderen Organen bildet und nach einer Therapie schon bald wieder neu aufflammt. Nach fünf Jahren ist nur jeder zweite Patient noch am Leben – doch mit Nüssen kann man diese Quote offenbar deutlich erhöhen.

Ein US-Amerikanisches Forscherteam beobachtete sechseinhalb Jahre lang den Krankheitsverlauf von 826 Darmkrebs-III-Patienten, nachdem sie ihre Operation und Chemotherapie hinter sich gebracht hatten (1). Dabei zeigte sich: Wer mindestens zwei Handvoll (rund 60 Gramm) Nüsse pro Woche verzehrte, hatte in dem Beobachtungszeitrum eine 42 Prozent höhere Chance, dass seine Krankheit nicht wiederkehrte. Und seine Überlebensaussichten erhöhten sich sogar um 57 Prozent.

„Diese Ergebnisse verdeutlichen, wie wichtig es ist, Ernährungsfaktoren zu berücksichtigen, um die Überlebenschancen bei Darmkrebs zu erhöhen“, betont Studienleiter Temidayo Fadelu vom Dana-Farber Cancer Institut in Boston. Wobei besonders große Effekte bei Baumnüssen wie Cashew, Walnuss, Mandeln und Pecan beobachtet wurden. Ihr Einfluss auf den Verlauf von Darmkrebs sei ähnlich wertvoll, so Fadelu, wie der von Bewegung und einer Reduktion von Übergewicht und Zuckerkonsum.

Es gibt schon länger Hinweise darauf, dass Nüsse einen positiven Einfluss auf den Verlauf einer Krebserkrankung haben. So sichtete ein Forscherteam der Mayo Clinic in Rochester 36 Studien mit insgesamt 31.000 Diabetespatienten, um den Zusammenhang zwischen Krebswahrscheinlichkeit - beim Diabetiker ist sie erhöht - und Nussverzehr untersucht hatten (2). Dabei ergab sich für Darmkrebs eine Senkung des Risikos um 24 Prozent, für Bauchspeicheldrüsenkrebs um 32 und für das Endometriumkarzinom sogar um 42 Prozent. Zum Vergleich: Das Diabetesmedikament Metformin senkt das Darmkrebsrisiko um 60 Prozent.

Physiologisch gibt es bereits auch Erklärungen für das Anti-Krebs-Potential von Nüssen. So kursiert im Blut von Diabetes-Patienten sehr viel Insulin, das als Stoffwechselhormon auf Krebszellen wirkt wie ein Luftzug aufs Feuer: Sie blühen geradezu auf. Nüsse mit ihren ungesättigten Fettsäuren können hier als Korrektiv ansetzen. Denn sie sorgen dafür, dass mehr Insulin aus dem Blut in die Körperzellen gelangt, mit der Folge, dass dem Tumor ein wichtiger Wachstumstreiber entzogen wird.

Die Kernfrüchte enthalten aber auch Substanzen, die direkt auf Krebszellen wirken. In einer Studie der Tufts University in Boston (3) zeigten sie sich als ergiebige Lieferanten von antioxidativen und tumorhemmenden Polyphenolen. Die höchsten Werte haben mit über 1500 mg/ 100 Gramm Pekan- und Walnüsse, aber auch Pistazien liegen noch deutlich über den 500 Milligramm, die man beispielsweise in Bitterschokolade findet.

Literaturübersicht
  1. Fadelu, T u.a., “Nut Consumption and Survival in Patients with Stage III Colon Cancer”, J Clin Onc, 36(11); 2018; doi: 10.1200/JCO.2017.75.5413
  2. Wu, L, u.a., “Nut consumption and risk of cancer and type 2 diabetes: a systematic review and meta-analysis”, Nutr Rev ; 73(7); 2015; doi: 10.1093/nutrit/nuv006
  3. Bolling B u.a., „The phytochemical composition and antioxidant actions of tree nuts“, Asia Pac J Clin Nutr, 19; 2010