Schlank durch Hitze und lautes Knabbern

Warum Nussesser seltener Bauchspeck haben

Nüsse liefern zwar viele Energien, doch zu den Dickmachern zählen sie nicht. Im Gegenteil. Schon Anfang der 1990er entdeckten Wissenschaftler, dass man unter Nussessern besonders wenige übergewichtige Menschen findet. Eine Studie aus den USA bestätigt nun, wie stark der Abspeckeffekt der Schalenfrüchte tatsächlich einzuschätzen ist.(1)

Als Datenpool für ihre Studie verwendete das Forscherteam um Carol O’Neil von der Louisiana State University das „National Health and Nutrition Examination Survey“ (NHANES). Im Rahmen dieser Erhebung waren die Ernährungsgewohnheiten und Gesundheitswerte von über 14.000 U.S.-Amerikanern erfasst worden. Knapp sieben Prozent von ihnen haben täglich mehr als 44 Gramm Nüsse auf dem Speisezettel. „Das klingt zwar zunächst nach wenig“, erläutert O’Neil, „bedeutet aber im Hinblick auf die amerikanische Bevölkerung eine Zahl von über zwölf Millionen“.

Es zeigte sich, dass fleißigen Nusskonsumenten ein um 25 Prozent geringeres Risiko für Übergewicht haben, und sie neigen auch weniger zum medizinisch problematischen Bauchspeck. Ihr Risiko für einen übermäßigen Taillenumfang ist um 21 Prozent geringer als bei weitgehend nussabstinenten Menschen, die weniger als acht Gramm Nüsse pro Tag verzehren. Und das hat konkrete Konsequenzen auf ihren Gesundheitszustand. „Nusskonsumenten haben einen geringeren systolischen Blutdruck“, berichtet O’Neil. Dafür sind ihre HDL-Werte höher, was bekanntlich von Medizinern als wirkungsvolle Prävention gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen engeschätzt wird. Denn die HDL-Partikel können schädliche Cholesterinverbindungen aus den Blutgefäßwänden herauslösen und zur Leber abtransportieren.

Bleibt die Frage, wie der Abspeckeffekt der Nüsse physiologisch zustande kommt. Eine Antwort liegt darin, dass sie, wie spanische Forscher herausgefunden haben, die Körpertemperatur ihres Konsumenten ansteigen lassen und dadurch den Kalorienverbrauch ankurbeln (2). Ausgelöst wird dieser Hitzeeffekt vermutlich dadurch, dass ungesättigte Fette – die ja in Nüssen reichhaltig vorkommen - das sympathische Nervensystem aktivieren, mit der Folge, dass der Körper mehr auf Aktivität (wie etwa eine Erhöhung der Muskelspannung) umschaltet.

Nicht zu unterschätzen ist aber auch die Hemmung des Appetits: Wer Nüsse konsumiert hat, ist erst einmal satt, so dass er keine Lust mehr auf weitere Kalorien hat. Hinter diesem Effekt stecken vermutlich die ungesättigten Fettsäuren der Kernfrüchte. Sie werden schneller oxidiert als die tierischen Fette und lösen dadurch einen stärkeren Sättigungsreiz aus. (3)

Eine aktuelle Studie der der Colorado State University bringt aber auch noch einen anderen Aspekt ins Spiel (4). Demnach fühlen wir uns umso satter, je mehr Geräusche beim Zerkauen eines Nahrungsmittels entstehen. „Wir wissen schon länger, dass bewusstes Essen den Appetit hemmt“, erklärt Studienleiterin Gina Mohr, „und das laute Kauen spielt dabei offenbar eine große Rolle“. Wer am Softeis schleckt oder die Creme im Mund zerfließen lässt, schmeckt zwar, dass er etwas isst. Doch wer laut vernehmlich knabbert, hört auch noch, dass er etwas isst. Er bringt sich dadurch sein Essen mehr ins Bewusstsein, und das dämpft den Appetit. Und welches natürliche Nahrungsmittel erfüllt dieses Kriterium mehr als die „Mutter aller Knabbereien“, nämlich die Nuss?

Literaturübersicht
  1. O’Neil, C. u.a., “Tree Nut consumption is associated with better adiposity measures and cardiovascular and metabolic syndrome health risk factors in U.S. Adults” Nutrition Journal (2015) 14: 64; doi: 10.1186/s12937-015-0052-x
  2. Casa-Agustench P et al, “Acute effects of three high-fat meals with different fat saturations on energy expenditure, substrate oxidation and satiety”, Clinical Nutrition, 2009, 28: 39–45
  3. Sze Yen Tan,”A review of the effects of nuts on appetite, food intake, metabolism an body weight”, Am J Clin Nutr, 2014; 100 (suppl): 412S
  4. Elder, RS/ Mohr, GS, “The crunch effect”, Food Quality and Preference, 2016, 51: 39 - 46