Walnuss: Sieht aus wie Hirn - ist gut fürs Hirn

Die vielen tiefen Furchen, die beiden Hemisphären - holt man die Walnuss aus ihrer Schale, erinnert sie schon stark an das Gehirn. Weswegen Naturheilkundler sie gemäß der so genannten Signaturenlehre gerne als "Futter fürs Hirn" bezeichnen. Dass dies nicht nur eine nette Theorie ist, sondern sich durchaus mit den biochemischen Wirkungen der Walnuss deckt, haben nun US-Forscher in einem Artikel für das Journal of Nutrition herausgearbeitet (1).

So enthalten 100 Gramm Walnüsse neun Gramm der mehrfach ungesättigten Fettsäure ALA. Sie wird im Körper zu essentiellen Fettverbindungen umgewandelt, die das Gehirn für rasche und fehlerfreie Signalwege benötigt. Die Polyphenole der Walnuss stabilisieren überdies den Kalziumhaushalt im Striatum und Hippocampus, zwei Arealen des Gehirns, die eine Schlüsselrolle für die Gedächtnisfunktionen spielen. Ein weiterer Wirkstoff ist schließlich Melatonin, das in den Medien gerne als „Schlafhormon“ bezeichnet wird, weil es den Tag-Nacht-Rhythmus des Menschen steuert. Doch die in der Zirbeldrüse des Mittelhirns gebildete Substanz kann noch weitaus mehr.

„Melatoninmangel führt zu einer Beeinträchtigung der cholinergen Nervenzellen im basalen Vorderhirn“, erklärt Studienleiter Shibu Poulose von der Tufts Univesity in Boston. Dieses Areal spielt eine zentrale Rolle beim emotionalen Lernen. Was umgekehrt bedeutet, dass ein Beseitigen des Defizits das emotionale Erinnerungsvermögen des Menschen erhält. Und dass dies mit Hilfe der Walnuss funktionieren könnte, wurde bereits auch nachgewiesen: Nach ihrem Verzehr geht der Melatoninpegel im Körper tatsächlich nach oben.

Die Walnuss enthält also diverse Stoffe zur Unterstützung der Hirnfunktionen. Was aber noch die Frage offen lässt, ob sie auch konkret im Alltag zur Entfaltung kommen. Zur Klärung dieser Frage braucht man Studien am Menschen. Doch auch die gibt es bereits – und sie bestätigen die Walnuss als Futter fürs Hirn.

Besonders beeindruckend ist eine Studie, die unter Peter Pribis von der Andrews University in Berrien Springs durchgeführt wurde (2). Darin wurden 64 Studenten in zwei Gruppen eingeteilt: die eine aß täglich drei Scheiben Bananenbrot, und die andere tat genau das gleiche, doch in ihrem Brot hatte man eine halbe Tasse zerkleinerter Walnüsse verarbeitet. Nach acht Wochen machten die Probanden eine sechswöchige Pause, um schließlich den gleichen Versuch noch einmal durchzuführen, nur dass diesmal getauscht wurde: die ursprünglichen Bananenbrotesser verzehrten jetzt das Produkt mit den Nüssen, und umgekehrt. Vor und nach den jeweiligen Diätphasen absolvierten die Probanden einen Test, der ihre kognitiven und emotionalen Fähigkeiten erfasste.

Dabei schnitten die Nussesser besonders in jenen Aufgaben gut ab, in denen das schlussfolgernde Denken abgeklopft wurde. So mussten sie beispielsweise eine kurze, unvollständige Geschichte lesen, und danach konfrontierte man sie mit fünf Textpassagen, die sie im Hinblick darauf einordnen sollten, inwieweit sie als Fortsetzung für die inkomplette Story in Frage kamen. Die Walnuss-Esser erzielten dabei eine um 11,2 Prozent bessere Trefferquote als die Kontrollgruppe, sie konnten also deutlich besser den Wahrheitsgehalt der ihnen angeboten Lösungen einschätzen.

Wer also möchte, dass man ihn nicht mehr so oft täuscht und – beispielsweise bei Geschäften – so leicht über den Tisch zieht, sollte nicht nur an seiner Menschenkenntnis arbeiten. Täglich eine Handvoll Walnüsse machen ihn auch zu einem besseren Lügendetektor. Sie glauben es nicht? Das ist eigentlich der beste Beweis, dass Sie künftig mehr Walnüsse essen sollten…

Literaturübersicht
  1. Poulose, SM u.a., “Role of Walnuts in Maintaining Brain Health with Age“, February 5, 2014 as doi: 10.3945/jn.113.184838
  2. Pribis P u.a., “Effects of walnut consumption on cognitive performance in young adults”, British Journal of Nutrition (2011), doi:10.1017/50007114511004302