Nüsse verlängern das Leben mit Prostatakrebs

Bei anderen Krebsarten wirken sie auch präventiv

Er gehört zu den häufigsten Tumorerkrankungen überhaupt: Allein in Deutschland werden pro Jahr über 60.000 Männer mit der Diagnose „Prostatakrebs“ konfrontiert. Die meisten Betroffenen sind danach erschüttert und voller Angst, und das nicht ohne Grund. Denn in einem Viertel der Fälle führt die Erkrankung zum Tod, und das oft binnen weniger Jahre. Dabei ließe sich die Überlebenszeit deutlich verlängern, wenn der Krebs frühzeitig erkannt und therapiert wird. Und, wie jetzt amerikanische Forscher ermittelt haben, wohl auch durch eine Ernährung mit hohem Nussanteil.(1)

Die walnussgroße Prostata-Drüse umschließt den oberen Teil der Harnröhre und produziert eine Flüssigkeit, die den Samenfäden als Transport- und Aktivierungsmittel dient. Es ist normal, dass sie mit zunehmendem Alter gutartige Wucherungen ausbildet. Es können aber auch bösartige, maligne Zellen entstehen, und sofern sie sich zu einem Geschwür gruppieren, kommt es zum Tumor. Was genau diese „Malignisierung“ hervorruft, ist noch ein Rätsel. Man weiß jedoch, dass dabei neben den männlichen Geschlechtshormonen auch die Ernährung mitspielt.

Ein Forscherteam der der Harvard Medical School in Boston hat nun untersucht, inwieweit der Nussverzehr die Entwicklung von Prostatakrebs beeinflussen kann. Denn von den Kernfrüchten ist bekannt, dass sie reich an Vitamin E, B-Vitaminen, Polyphenolen, Spurenelementen und ungesättigten Fettsäuren sind, die als tumorhemmend eingestuft werden. Das Team um den Mediziner Ying Bao konnte für seine Untersuchung auf einen Datenpool von über 47.000 Männern zurückgreifen, die im Zeitraum von 1986 bis 2012 nicht nur ärztlich, sondern auch im Hinblick auf ihre Ernährungsgewohnheiten erfasst wurden.

Dabei zeigte sich, dass Nüsse zwar nicht erkennbar das Risiko für Prostatakrebs beeinflussen, doch dafür die Überlebenschancen derjenigen erhöhen, bei denen dieser Tumor bereits diagnostiziert worden ist. „Wer mindestens fünf Nussportionen pro Tag verzehrt, hat eine um 34 Prozent niedrigere Sterbewahrscheinlichkeit als derjenige, der weniger als einmal Nüsse pro Woche konsumiert“, erläutert Studienleiter Ying Bao.

Ein Ergebnis, das natürlich die Frage aufwirft, wie der Nussverzehr zum längeren Leben von Prostatakrebs-Patienten beiträgt, wo er doch offenbar keinen Schutz vor dem Ausbruch dieser Erkrankung bietet. Bao vermutet, dass dies an der spezifischen Wirkung der Kernfrüchte liegt: „Wir wissen schon länger, dass sie das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken.“ Und es seien genau diese, also vor allem Herzinfarkte und Schlaganfälle, die bei jedem dritten Prostatakrebs-Patienten zum Tode führen.

Nichtsdestoweniger entfalten Nüsse bei anderen Tumorerkrankungen wie dem Prostatakrebs auch einen direkten Vorbeugeeffekt. So schützen sie laut einer Analyse der aktuellen Studienlage, die man an der Mayo-Klinik in Rochester durchgeführt hat (2), vor Darm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs, und bei Gebärmutterkrebs halbieren sie sogar das Risiko. Vermutlich können die Kernfrüchte hier besser ihre antioxidativen Fähigkeiten einbringen, die Körperzellen vor dem Angriff freier Radikale zu schützen. Beim stark hormonabhängigen Prostatakrebs bringt dieser Effekt hingegen wenig. Er lässt sich eigentlich nur ausbremsen, indem man ihm die Testosteronzufuhr kappt. Bei fortgeschrittenem Prostatakrebs wird dieses Verfahren auch schon eingesetzt, doch für die Prävention taugt es nicht – denn ohne Testosteron ist der Mann kein Mann mehr.

Literaturübersicht
  1. Wan, W u.a., “Nut consumption and prostate cancer risk and mortality”, Br J Cancer. 2016 Jun 9. doi: 10.1038/bjc.2016.181.
  2. Wu, L u.a., “Nut consumption and risk of cancer and type 2 diabetes: a systematic review and meta-analysis”, Nutr Rev. 2015 Jul;73(7):409-25. doi: 10.1093/nutrit/nuv006